Zum Film nach Stralsund (2007)
Aus KramerOnTour

Der Skipper des historischen Seglers "Hanne Marie" lud mich für Sonntag, den 11.03.2007, zur Überführung des Schiffs zu Dreharbeiten für "Der Untergang der Wilhelm Gustloff" nach Stralsund ein. Da sagte ich natürlich nicht Nein! An Bord waren der Skipper Rene, der Bootsmann Ecki, der Wandergeselle Rainer und ich.
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Zu ungewohnt früher Zeit um 09:30Uhr wollte der Skipper auslaufen, um den Brückenzug in Wieck nicht zu verpassen. So radelte ich früh am Bäcker vorbei und bewaffnete mich mit reichlich Proviant. Segeln macht hungrig. Als ich am Liegeplatz in der Museumswerft eintraf, war schon fast alles startklar. In einer Blitzaktion hatte der Skipper mit seinem Bootsmann das Schiff segelklar gemacht, denn eigentlich ist die Winterüberholung noch nicht fertig. Binnen einer Woche wurde der Haupt-Mast gestellt und das Schiff wieder aufgeriggt.

In Wieck wurde passend zu unserem Eintreffen die alte Holz-Klappbrücke geöffnet. Hier sind zwei ehrenamtliche Brückenwärter so richtig körperlich am Kurbeln, um die 120 Jahre alte Brücke in Bewegung zu setzen. Dahinter passieren wir den "Seefuchs", auch ein Schiff aus der Museumswerft. Mit sattem Horn-Laut rufen wir den Kapitän des Seefuchs zum Gruß an Deck.
Guter Wind empfängt uns schon an der Mündung des Ryck, so dass wir gleich das Groß hochziehen. Das ist bei der alten Gaffel-Ketch richtig Arbeit für zwei Mann. Dafür belohnt uns der Wind mit vollem Tuch. Während des Kurssetzens hissen wir auch noch die Fock und den Besan, dann legt sich die Hanne-Marie schön auf die Backe und wir rauschen aus der Dänischen Wiek Richtung Rügen. Am Ende der Fahrrinne wollen wir wegen des ungünstigen Windes einen Schlag machen, um auf den nötigen Kurs zurückzukehren. Dabei verirren wir uns fast im Gewirr der Heringsnetze. Die stehen derzeit zu beiden Seiten der Fahrrinne und lassen wenig Platz für Ausflüge. Es gelingt uns dennoch, ohne Schaden anzurichten oder zu erleiden wieder ins Fahrwasser zurückzukommen.

Um mehr Höhe gegen den Wind zu machen, setzen wir noch den Klüver. Trotzdem verhungern wir fast am Wind (4 Bft. Gegenwind, mit kräftigen Böen). Der Skipper beschliesst auch wegen der Zeit, dass ein gutes Stück mit Motorunterstützung gefahren wird. Die Fock müssen wir einholen, weil das Segel stark flattert und nicht dicht genug geholt werden kann. So fahren wir dann in den Strelasund.

Nach einem Schlenker in der Fahrrinne können wir, die Brücke in Stralsund schon in Sichtweite, wieder auf reinen Segelantrieb umstellen. Die Fock geht wieder hoch und mit fast 5kn Fahrt rauschen wir hart am Wind zur Brücke. Gut eine Stunde zu früh sind wir da. Wir vertreiben uns die Zeit mit Wenden und Halsen vor der Brücke. Eine anstrengende Sache, hat die Hanne Marie doch keinerlei Winschen und grobe, geschlagene Schoten.

Mit Passieren der Brücke gleiten wir in den Hafen. Dort erwartet man uns schon und weisst uns einen Liegeplatz zu. Der halbe Hafen ist schon umgebaut für die Dreharbeiten. Eine 60m breite Kulisse dient als Bordwand des Kreuzfahrtschiffes "Wilhelm Gustloff". Überall stehen eiserne Zeitzeugen des 2. Weltkrieges herum, Lkw, Flag-Geschütze, Karren. Dazwischen spazieren Stralsunder herum, die das Spektakel fasziniert bestaunen. Weil die am Ufer stehende Regie das Schiff so und so genau da haben will, ist das Anlegemanöver etwas komplizierter. Um 18:15 sind dann endlich alle Leinen fest und die Segel verstaut. Nun werden noch die modernen Rettungsmittel weggeräumt, weil sie nicht zum Ambiente passen, dann gehen wir in den Klabautermann auf einen Abschlusstrunk.
Wir werden dort von der Fahrerin Anke abgeholt, die uns zurück zur Werft bringen wird. Rainer verabschiedete sich in Stralsund von uns, nach mehreren Wochen auf der Werft will er gen Paris reisen und im Mai dann endlich heimgehen. Von mir nochmal alles Gute für die Reise und komm gesund nach Hause! Gegen 21:00 kam ich dann endlich zu Hause an, deutlich müde aber glücklich. Ein schöner Tag. <div style="clear:both" />

