TID und mehr (2005) - Die Vorfahrt

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Zusätzlich zur Stamm-Strecke der TID ging es 2005 die gesamte Donau hinab. Angefangen in Donaueschingen und bis in das Schwarze Meer hinein hat Max Scharnböck alles organisiert. Ich fuhr von Thalfingen (bei Ulm) bis zum Schwarzen Meer mit. Die Vor-Fahrt waren für mich etwa 127km zusätzlich.

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Inhaltsverzeichnis

21.06. Thalfingen - Dillingen (40,9km)

Die Gruppe aus, ich glaube, 16 Leuten (ich weiss nicht mehr genau) startete schon früh in Ulm, weil auf der Strecke 8 Schleusen zu überwinden waren und praktisch ohne Strömung gefahren wurde. Kurz nach 9:30 kamen die ersten an der Brücke vorbeigefahren, während ich noch am Einladen war. Nach kurzem Hallo sprang ich ins Boot und fuhr hinter der Gruppe her. Wie ich später erfuhr, waren sie nur deshalb so spät, weil die erste Schleuse defekt war. Sonst wären sie schon eine Stunde früher dagewesen.

Der Abschied von Sybille, die mich morgens zu unchristlicher Uhrzeit abholte und nach Thalfingen brachte, fiel recht hektisch aus. Ich schenkte ihr noch schnell ein kleines, knuddeliges Danke-Schön-Andenken, weil ich ja mit der Gruppe mitfahren wollte. Der Platz an der Brücke war nach kurzem Fahrweg neben der Strasse gut zu erreichen. Das Einsetzen über die mit Wasserbausteinen befestigte steile Uferböschung ging einigermassen, das Beladen des im Wasser schwimmenden Bootes klappte irgendwie nicht so recht. Was zu Hause wunderbar passte, liess sich nicht mehr unterbringen. So hatte ich einen großen Berg Zeug hinter mir auf dem Boot, was eigentlich so nicht geplant war.

Die Gruppe wuchs auf dem Weg nach Dillingen noch um ein paar weitere Mitfahrer an, so dass an jeder Schleuse neue Gesichter dabei waren. Am Abend in Dillingen waren wir dann 24, glaub' ich. Wolfgang vom Günzburger KC machte den Schleusenmeister für uns, und fuhr mit seinem Auto jeweils voraus. Er ersparte uns so pro Schleuse ca. 15 Minuten zusätzliche Wartezeit. Nochmals vielen Dank dafür.

Das Herausheben des beladenen Bootes sparte ich mir an diesem Abend. Da hier keinerlei Motorboot-Verkehr ist und das Boot nachts niemand stört, liess ich es an der langen Leine im Fluß treiben. Walters Aerius II leistete ihm Gesellschaft.

Alle (ausser Walter und Günther) waren schneller als ich unterwegs, was mir zuerst nicht recht einleuchtete. Am Abend unterhielt ich mich dann mit Walther, der ebenfalls seinen Klepper Aerius II allein fuhr, und wir kamen überein, dass es wohl an unseren Booten liegen müsse. Es waren zumindest alle einig, das diese Teilstrecke die Anstrengendste der ganzen Donau-Tour ist. Die in Ulm gestarteten Fahrer sassen mehr als 13 Stunden im Boot, ohne größere Pause. Mir hat es für den ersten Tag sowieso gereicht, ich schlief schon vor dem Sonnenuntergang tief und fest. Und um 8 sollte es am Morgen weitergehen.

Auf dem Zeltplatz stiess noch Thomas mit seinem Nepalesischen Freund zu uns. Er wollte eigentlich nicht direkt bei der TID mitfahren, aber nahm dann die Gelegenheit wahr, mit uns zu fahren. Sein riesiger Kanadier war das größte Boot, das auf der Oberen Donau mitfuhr.

22.06. Dillingen - Donauwörth (30km)

  • km 2538,1 l Dillinger KC, Zeltplatz
  • km 2530,8 r Schleuse Höchstädt
  • km 2522,4 r Schleuse Schwenningen
  • km 2511,8 r Schleuse Donauwörth
  • km 2509,8 l Wörnitz, 1,7km flußaufwärts bis vor das Wehr zum Zeltplatz des KC Donauwörth

Am Morgen ging es recht früh los, das Beladen des Bootes klappte schon bedeutend besser. Es blieben nur noch Iso-Matte und Bootswagen hinten drauf, der Rest passte nun doch wieder in das Boot hinein. Ich startete fast als Letztes, so gegen 8 Uhr etwa.

Trotz der geringeren Schleusenanzahl war auch diese Teilstrecke ziemlich erschöpfend. Die Stauseen sind recht groß, und die Strömung insgesamt eher gering. Und vor allem der letzte Teil flußauf in der Wörnitz war anstrengend. Es war großteils gerade genug Wasser in der Wörnitz, um nicht das Paddel in den Matsch zu stecken. Grundsätzlich ist es eine schlechte Idee, mit Gepäck flußauf zu fahren. Man braucht doch jede Menge mehr Energie, um nicht rückwärts zu fahren.

Das Herausnehmen des Bootes wurde mit 5 Mann erledigt. Das ist Schwerstarbeit nach einem anstrengenden Paddeltag. Selbst nach dem Herausnehmen der großen Gepäckteile sind immer noch äusserst unhandliche 50kg ein steiles Ufer hinauf zu tragen. Dagegen sind die Boote der meisten Anderen selbst vollbeladen noch leicht.

Da die Strecke insgesamt recht schnell gefahren wurde, blieb abends genug Zeit zum Besuch der Donauwörther Innenstadt. Ich ging mit Wilms zusammen los, wir verstanden uns auf Anhieb recht gut. Wilms ist erfahrener TIDler aus dem hohen Norden und mit einem schnellen Boot unterwegs gewesen. Während des Spaziergangs trafen wir Nico, einen lustigen Holländer, ebenfalls TID-Neuling. Er war nach dem Paddeln noch mit seinen Inline-Skates ein Wenig herumgefahren. Sportlich, sportlich.

Ich ging recht früh schlafen, schlief aber sehr schlecht. Mir war dauernd sehr kalt, so dass ich aufwachte. Dabei war es eigentlich recht warm. Und keine Lage war auszuhalten, immer tat irgendetwas weh. Ich wurde krank...

23.06. Donauwörth - Neuburg (34,5km)

  • km 2509,8 l Wörnitz, 1,7km flußabwärts vom Wehr ab Zeltplatz des KC Donauwörth
  • km 2496,4 r Lech-Mündung
  • km 2490,2 r Schleuse Bertholdsheim
  • km 2480,2 r Schleuse Bittenbrunn
  • km 2477,0 r DRC Neuburg (Insel rechts umfahren!), Zeltplatz

Nach der schlechten Nacht war ich schon bei Sonnenaufgang wach. Im Dämmerlicht kam ein Biber ganz nah an den Anlegesteg des Kanuclubs, das erste interessante Naturerlebnis der Fahrt. Nach ein paar Minuten schwamm der Biber wieder weg, aber nicht wegen mir. Ich hatte ihn nicht gestört, obwohl ich mich nicht sonderlich still verhielt. Eher ignoriert hatte er mich.

Beim Zusammenpacken wurde mir meine schlechte Verfassung bewusst. Ich schob das aber auf die wenig erholsame Nacht, und war nicht einmal als letzter auf dem Wasser. Auf den ersten Kilometern unter der Strassenbrücke der Donau hatten mich aber die letzten schon eingeholt. Hier hat die Donau übrigens richtig Tempo drauf, unter der Brücke ist schon beinahe ein Stromschnelle. Das machte richtig Spass, nach dem Stille-Wasser-Gepaddel der letzten Tage.

Die Unterschiede des Wassers zwischen Lech und Donau haben mich ebenfalls beeindruckt. Da kommt ein klarer, kalter Gebirgsfluß von Süden in den grün-braunen, lauwarmen Wald- und Wiesenfluß Donau geflossen. Man kann ein paar Kilometer in richtig schönem Wasser fahren, wenn man will. Danach ist alles wieder beim alten, nur etwas kühler ist die Donau geworden.

Im Schneckentempo schob ich das Boot zur ersten Schleuse. Nach einer Entschuldigung für das sehr späte Eintreffen und der Erklärung meiner Schlappe gings etwas flotter weiter bis nach Neuburg. Mangels Ortskenntnis fuhr ich nicht rechts um die Neustädter Donau-Insel sondern links, was mich dann zu einem Queren des Nebenarmes nötigte. Ich setzte dabei noch im flachen Wasser auf und musste das Boot mitten in der Donau schieben. So ein Mist. Dafür trugen 6 Mann mein Boot auf den Zeltplatz, ich durfte nicht mit anfassen.

Nach dem Aufstellen des Zeltes fiel ich sehr schnell in den Schlafsack, aber nicht ohne vorher noch einen Anschiss von der Frau des Fahrtenleiters wegen Nicht-Bescheidgebens der Krankheit abzuholen. War zwar keine Absicht, wollte ja nicht verschweigen, dass ich krank war. Wusste es halt nicht am Morgen. Aber das kann ja jeder sagen. Jedenfalls hatte ich kräftig Fieber den Tag über. Im Nachhinein meine ich, dass es die letzte Impfung vom 20.06. gewesen ist. Die Erschöpfung durch das anstrengende Paddeln leistete sicherlich auch noch seinen Beitrag. Das Wetter wird auch mit beigetragen haben, hatten ja schliesslich hohe Temperatur und reichlich Sonne, also optimal für einen Sonnenstich.

Neben mir zelteten ein paar Schweizer, die mit dem Rad vom Bodensee durch den Schwarzwald an die Donau gefahren waren. Sie wollten noch bis Wien, glaub' ich. Die beiden waren recht unterhaltsam, leider war ich nicht ganz aufmerksam. Fieber und Erschöpfung waren deutlich spürbar.

24.06. Neuburg - Ingolstadt (21,7km)

  • km 2477,0 r DRC Neuburg, Zeltplatz
  • km 2469,9 r Schleuse Bergheim
  • km 2459,2 r Schleuse Ingolstadt
  • km 2455,3 r FC Ingolstadt, Zeltplatz (ca. 300m vom Ufer)

Am Morgen war ich noch immer etwas betüddelt. Aber schon deutlich besser in Form als am Abend zuvor, und so klappte das Packen und Paddeln fast wie Normal. Mit der Aussicht auf den Ruhetag in Ingolstadt war ich mir sicher, bald wieder voll dabei sein zu können.

In der Schleuse Bergheim verabschiedete ich mich von der Gruppe, auf dem Stausee vor Ingolstadt war ich mit Christine verabredet. Nichts genaues hatten wir allerdings ausgemacht, ich fuhr also einfach auf gut Glück zum Landungssteg des Segelclubs. Als ich gerade wieder losfuhr kam Christine mit dem Rad über die Staustufe gefahren. Gerade nochmal Glück gehabt.

Zum Segeln meines Kajaks auf der Staustufe war leider kein Wind. Hätte ich Christine gerne gezeigt. Und auch ein Wettrennen mit dem Pirat wäre sinnlos gewesen, weil ja kein Wind ging. Das müssen wir ein anderes Mal aber unbedingt machen.

Nach etwa einer Stunde Schwätzchen im Grünen verabredeten wir uns für den Abend zum Grillen. Ich fuhr dann weiter zum Faltboot-Club, wo schon reichlich was los war. Auf dem Gelände war fast kein Platz mehr frei, und auf der zusätzlichen Zeltfläche ausserhalb des Geländes war auch schon viel los. Das konnte ja noch heiter werden.

Das Grillen lief recht hektisch ab, so wie es bisher leider immer lief, wenn ich Christine besuchte. Sie hatte mit ihrem Mann eine wichtige Tanzveranstaltung am Abend und aus Zeitgründen wurde der Grill gegen die Pfanne getauscht. Trotzdem war wenig Zeit zum Essen und Unterhalten. Vielleicht klappt das mal ohne Zeitdruck.

25.06. Ingolstadt (Ruhetag)

Der dringend benötigte Ruhetag wurde mit reichlich Erholung verbracht. Ein buntes Sammelsurium an Booten war zu bestaunen, allen voran die mit viel Klebeband zusammengehaltenen Faltboote der Teilnehmer aus den ehemaligen Ostblock-Ländern. Ein Wunder, dass die Dinger noch schwammen. Aber auch Neuestes war geboten, ein Prototyp-Zweier-Faltboot von Grabner aus Österreich, ein noch unbenutzter Pouch Einer sowie diverse Selbstbau-Zubehörteile aller Couleur.

Gegen Mittag ging ich zum Internationalen Donau-Tag, auf dem recht Wenig los war. Soll am Vormittag gut besucht gewesen sein, sagte man mir später. Mich interessierten vor allem die Informationen über Rückbau-Massnahmen, Renaturierung und Hochwasserschutz. Offenbar herrscht noch immer die Devise Höher, Stärker, Weiter vor, statt der Donau und ihren Zuflüssen mehr Raum zu gewähren. Selbst bei den Umweltschutzverbänden sind Retensionsflächen kaum ein Thema. Da sind dann eher Vorschläge für "umweltverträgliche Verbauungen" zu bestaunen. Schade. Auch das Thema der geplanten Verbauung der noch frei fliessenden Donauabschnitte Donauwörth-Bertholdsheim (19km) und Straubing-Kachlet (ca. 100km) war nicht präsentiert. Aber ein T-Shirt des Donau-Tages wurde jedem TID-Teilnehmer geschenkt, mit dem schönen Spruch "Made with Pride in USA" auf dem Etikett. Wie schön.

Den Abend fand die Eröffnungsfeier der TID im völlig überhitzten Saal des Restaurants am Auwaldsee statt. Aber das ist schon ein Thema für das nächste Kapitel...

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