TID und mehr (2005) - Die 50. TID - Ungarn
Aus KramerOnTour
Dieses Kapitel wird gerade überarbeitet. --Michael 18:52, 27. Nov 2005 (CET)
Zurück zu TID und mehr (2005) oder Die 50. TID, weiter mit Serbien und Montenegro oder zurück zu Slowakei 2, zum Inhaltsverzeichnis oder zu weiteren Expeditionen.
18.07. Stúrovo - Lepence-Visegrád (24km)

- km 1721 l Stúrovo, Zeltplatz
- km 1697 r Lepence-Visegrád, Zeltplatz

Die Tagesstrecke ist gut am Nachmittag zu schaffen, also nahmen sich sehr viele den Vormittag zur Besichtigung von Estergom. Vor 8 Uhr durfte aber niemand ablegen, denn die obligatorische Passkontrolle bei der Ausreise aus der Slowakei durfte man nicht verpassen. So füllte sich der Landeplatz schon lange vor 8 Uhr mit Paddlern, die es besonders eilig hatten. Und dann kamen die Grenzbeamten nicht pünktlich. Nur mit Mühe konnten die Ungeduldigen davon überzeugt werden, dass die Grenzkontrolle wichtig ist und man warten muss. Als dann die beiden Beamten kamen, war nach einer Minute alles vorbei. "Das sind die Boote?", "Sie alle wollen nach Ungarn?", fertig. Soviel zur innereuropäischen Grenzkontrolle.

Als der Ansturm vorbei war gingen wir, Karsten und ich, gemütlich aufs Wasser und fuhren nach Estergom über den Fluss. Im Yachthafen haben wir unsere Boote festgemacht und sind rauf auf den Berg und hoch auf die Kuppel. Ein herrlicher Rundblick über die gesamte Landschaft ist von dort aus möglich. Um die Kathedrale herum ist eine Festung mit einem Museum, das wir aber nicht besuchten. Statt dessen sind wir einen kleinen Spaziergang durch Estergom gelaufen. Dabei hätten wir uns beinahe verloren, weil der Treffpunkt nicht auffindbar war. Versteckt hinter einer Baustelle war er.

Nach dem Mittagessen am Yachthafen sind wir nach Lepence gefahren. Visegrád ist die Festung auf dem Berg oberhalb von Lepence. Unterwegs trafen wir Chris, Steve und Biff. Als der Wind gegen uns drehte, konnte ich mal so richtig den Vorteil des Klepper ausspielen. Im Endspurt habe ich sogar Biff abgehängt, die eigentlich immer deutlich schneller als ich unterwegs war.
Der Zeltplatz lag an einem See, der von der Donau abgeteilt war. Es handelt sich um Reste eines geplanten aber nie vollendeten Staukraftwerkes. Das hörten wir alle gerne. Am Abend hatten wir noch unseren Spass mit Walther, dem TID-Leiter-Vertreter. Er sollte die Essensmarken verteilen, damit jeder auch ein Essen bekommt. Allerdings weigerte er sich, weil sein Büro schon längst geschlossen sei. Wir sind dann einfach so zum Essen gegangen und bekamen natürlich was. Walther genoss noch etwas seinen Sieg und kam dann ebenfalls zum Essen. Allerdings hatte die Küche mittlerweile zusammengepackt und war abgefahren. So musste der "arme Kerl" nun hungern. Wir haben gelacht. <div style="clear:both" />
19.07. Lepence-Visegrád - Budapest (40km)

- km 1697 r Lepence-Visegrád, Zeltplatz
- km 1657 l Budapest, Zeltplatz
Wegen Walthers dummsinniger Forderung, dass wir die Essensmarken bis 13 Uhr in Budapest abholen sollten, spurtete Karsten im Eiltempo nach Budapest. Natürlich war er rechtzeitig da, nur um Walther zu ärgern.
Ich bin recht gemütlich die ersten Kilometer gefahren, und musste dann unbedingt Segel setzen. Solch ein genialer Rückenwind musste genutzt werden. Und weil's so gut ging, habe ich noch mit dem Stechpaddel mitgepaddelt. So schnell war ich noch nie zuvor mit dem Kayak unterwegs. Der schönere Weg führt rechts an der Szentdre-Insel vorbei, durch den Szentendre-Arm. Und nur so kommt man auch zur ehemaligen Künstler-Kolonie Szentendre.
Nach dem Donauknie hörte ich vom rechten Ufer einen Jubelschrei. Am Ufer sprang Mike, ein älterer TID-Teilnehmer aus Alaska, wie wild herum und jubelte, als sähe er nach Monaten auf einer einsamen Insel ein Schiff am Horizont. Mit seinem Schlapphut und den schlaksigen Bewegungen wirkte er wie Gilligan auf Gilligans Insel. Ich wär beinah vor Lachen aus dem Boot gefallen. Yeah, Mike, it's marvellous!
In Szentendre machte ich am frühen Nachmittag einen Stop. In einem nicht so touristischen Teil des Ortes as ich zu Mittag, machte anschliessend einen Spaziergang auf den Hügel des Ortes. Ja, hier oben liesse es sich gut leben. Herrliche Aussicht, nette Häuschen, ruhig und gemütlich. Den Weg sollte man machen, er lohnt sich.

Nach dem Abstieg landete ich in der Touristen-Ecke und traf jede Menge TID-Leute. Wir sind dann zusammen nach Budapest weitergefahren. Nach dem Ende des Szentendre-Arms mussten wir den Hauptstrom überqueren, um am Ausstieg anzukommen. Das war gar nicht so ohne. Die Strömung war beinahe so schnell, wie ich fahren konnte. Danach war der Bootsaufzug zum Rausholen der Boote schon Klasse.
Die Nacht haben Karsten und ich Jenny eingeladen, irgendwo was trinken und ein bischen Musik hören. Mit dem Bus sind wir zur nächsten U-Bahn-Station, und haben dort jemand gefragt. Das "Zöld Pardon" am anderen Ende der Stadt wurde uns empfohlen. Als wir endlich ankamen, war ich echt begeistert. Eine Open-Air-Rock-Disco mit 2 Tanzflächen und dem üblichen Metal-Punk-Dark Wave-Getöse. Party!
Als Jenny es nicht mehr aushielt sind wir mit dem Taxi zurück zum Zeltplatz. Der Fahrer machte eine kleine Express-Stadtführung am Donau-Ufer entlang. Sein Deutsch reichte aber nicht ganz aus. War aber trotzdem schon beeindruckend. <div style="clear:both" />
20.07. Budapest (Ruhetag)

Den Vormittag verbrachten die meisten in der Stadt, während ich versuchte, Hanna zu erreichen. Unsere private Stadtführung klappte dann am Nachmittag. Meine Güte, hat die Stadt schöne Ecken. Nachdem wir, Karsten und ich, die vielen Kirchen von Hannas Führungsplan gestrichen hatten, sind wir zum Heldenplatz. Dort bekamen wir eine geballte Ladung ungarische Geschichte ab. Angefangen bei Ãrpad, der 7 Stämme einigte und das Land eroberte das wir als Ungarn kennen, über die türkische Besatzung bis zur Vertreibung der Türken.

Danach sind wir zu einer Festung unweit des Heldenplatzes, die irgendwo in Ungarn abgerissen wurde und hier dann Stein für Stein wieder aufgebaut wurde. Ein schöner Park war da herum angelegt. Es gibt darin einen See, der jedes Jahr für ein Festival trockengelegt wird und dann als Verantaltungsort dient. Sieht interessant aus. Das nächste Objekt war ein uraltes türkisches Bad, vor Kurzem erst vollständig restauriert und wieder in Betrieb genommen. Sehr schön, vor allem sehr bunt. Zum Abendessen waren wir am Donau-Ufer in einem sehr touristischen Restaurant.
Weiter ging's am Parlament vorbei zur Margitsziget, der Margarethen-Insel. Ein schöner Stadtpark mit reichlich Freizeit-Sport-Möglichkeiten. Da es langsam dunkel wurde sind wir auf den Hügel von Pest und dort durch die innere Altstadt spaziert. Herrlicher Ausblick in alle Richtungen, auch bei Nacht. Besonders von der Fischer-Bastion. Hier haben wir bei einem Kaffee den Tag ausklingen lassen. Mit der letzten U-Bahn kamen wir wieder zum Zeltplatz zurück. Eindeutig zu wenig Zeit für diese Stadt. <div style="clear:both" />
21.07. Budapest - Százhlombatta (37km)

- km 1657 l Budapest, Zeltplatz
- km 1620 r Százhlombatta, Zeltplatz
Eine kurze Fahrt, die mit der Besichtigung Budapests vom Wasser aus beginnt. Ich nutze die Gelegenheit, mich in Ruhe runtertreiben zu lassen und die imposante Silhouette der Stadt zu geniessen. Am Ortsende liegt Karstens Boot auf der Steilwand, er macht schon Mittagspause. Oben auf der Uferbefestigung ist ein Sandstrand aufgebaut gewesen, so ein Beach-Partyareal. Nicht weit davon muss auch das Zöld Pardon gewesen sein.

Vorbei geht's an einigen schönen Steilufern zur Retortenvorstadt von Százhlombatta. Dort begrüßt man uns mit helfender Hand am riesigen Steg. Das Gelände ist eigentlich ein öffentlicher Campingplatz, mit allem Komfort ausgestattet. Für uns ist zusätzlich nebenan noch Platz freigemacht, wunderbare Wiese mit eigens aufgestellten Bänken und Tischen.
Zur Stadt sind es einige Minuten Fussmarsch. Gegründet 1975 als Wohnsiedlung eines Industriewerkes sind auch heute noch alle Bauwerke aus diesem Jahr. Insgesamt aber recht nett, etwas verlassen der Ort, aber schön gemacht. Kein Vergleich zu den Reissbrett-Siedlungen des Westens aus den 70ern. Den Abend streiften wir durch das Zentrum der Vorstadt, in dem dieser interessante Brunnen vor einer modernen Kirche steht. <div style="clear:both" />
22.07. Százhlombatta - Dunaújváros (42km)
- km 1620 r Százhlombatta, Zeltplatz
- km 1578 r Dunaújváros, Zeltplatz
Große weite ebene, das ungarische Land. Das machte sich an diesem Tag so richtig bemerkbar. Links grüner Streifen, dahinter flach und nichts zu sehen. Rechts Steilufer, grüner Streifen davor und sonst nichts zu sehen. Dazwischen ein großer Streifen braunes Wasser. Sehr eintönig. Aber die Sonne lachte, und das war schon genug.
In Dunaújváros ging es die steile Uferböschung über den Bootssteg eines Bootsclubs hoch. Das Clubgelände war natürlich schon voll, also stellten wir die Zelte direkt am Ufer auf. Einige zelteten in einem schmalen Durchgang, über den man zur Stadt gehen konnte. Hinter dem Durchgang ging es sehr steil den Berg rauf, bis man endlich oben auf einer Aussichtsplattform am Stadtrand war. Wunderbarer Ausblick über das gesamte Ost-Ungarische Tiefland. Die Stadt war nicht so schön, sehr viele heruntergekommene Wohnblocks. Nach dem Einkaufsbummel im nächsten Supermarkt hiess es noch Schlange stehen an der einzigen Dusche.
23.07. Dunaújváros - Paks (51km)
- km 1578 r Dunaújváros, Zeltplatz
- km 1527 r Paks, Zeltplatz
Wie der gestrige Paddeltag endete, so ging dieser los. Links grün, rechts grün, Mitte braun. Links verschwand irgendwann das Steilufer hinter dem Grün, so dass gar keine Abwechslung mehr beim Paddeln war. Die 51km erschienen lang, sehr viel länger als alle bisherigen Kilometer. Aber da die Sonne schien, war das gar nicht sooo schlimm.
In Paks gewährte uns der Bootsclub des Kernkraftwerkes ein Nachtlager. Das Anlanden auf der Yacht-Hafen-Schwimmplattform war gut, nur den steilen Weg die Böschung rauf wollte ich das Boot nicht tragen. So liess ich es mit den anderen Kleppern im Wasser. Oben war der Bootsclub schon voll, so dass wir mal wieder direkt am Fluss übernachteten. Ein Bus zu einer Weinprobe war organisiert worden, weil es sonst nichts in der Nähe gab. Der Andrang war gering, der Bus nur halb voll. Ich blieb auf dem Platz, ein Wenig Ruhe geniessen. Gar nicht so einfach mit 300 Leuten drumherum.
24.07. Paks - Baja (50km)
- km 1527 r Paks, Zeltplatz
- km 1479 l Einfahrt in Kanal
- ca. 2km r Baja, Zeltplatz
Wegen der kräftigen Strömung und der eher eintönigen Umgebung entschieden sich Karsten und ich, heute als Letzte zu starten und ein Wenig Ruhe zu geniessen. Nachdem also alle abgefahren waren, luden wir in Ruhe ein und nahmen noch ein Wenig übriggebliebenes Gepäck mit. Jemand hatte seine gesamte Küche, Zelt, Schlafsack und einen Beutel Klamotten liegen gelassen. Da viel Platz bei uns an Bord war, ist das problemlos mitgekommen.
Bis nach Baja holten wir einige der TID-Paddler ein, die wie immer reichlich Pausen am Ufer gemacht hatten. Der Kanal war recht eng, voll mit Schwimmern und flach, so dass wir sehr langsam hochfuhren. Oben erwartete man uns schon auf dem Gelände einer Schule. Das gefundene Gepäck konnte schnell seinen Besitzern übergeben werden, die sich überschwenglich bedankten. Wenig Platz war wie immer, aber diesmal mit schönem Anschluss an die Stadt.
Direkt gegenüber war das Vergnügungszentrum der Stadt am Ufer des Kanals. Unweit davon das wunderschöne Stadtzentrum. Beim Abendspaziergang traf ich die versammelte "international community" der TID. Wieder auf dem Platz zurück wehte von einem Festzelt auf der anderen Seite der Strasse Reggae-Musik herüber. Das liessen sich viele nicht entgehen und lauschten vor dem Zelt den Cover-Versionen von Bob Marley. Mal was anderes als Folklore.
Am Abend teilte mir Wilm noch mit, das er die Tour abbrechen werde. Ihm sei das diesmal zu viel Leute und er halte das nicht aus. Schade, war er doch einer derjenigen, die schon auf der Vorfahrt mitfuhren und bis ins Delta wollten. Und wir verstanden uns sehr gut. Ebenso wollte Nico aufhören, der junggebliebene Holländer, der auch schon von Ingolstadt mitfuhr und ins Delta wollte. David, der Engländer im 2'er-Klepper, hatte auch die Nase voll, das sei ja kein Urlaub nicht. Dabei hatte er in Ingolstadt schon Lebensmittel für bis ins Delta an Bord.
25.07. Baja - Mohács (33km)
- ca. 2km r Baja, Zeltplatz
- km 1479 l Ausfahrt aus Kanal
- km 1448 r Mohács, Zeltplatz
Der Run auf die letzten Kilometer war heftig. So ein Gedränge wie an diesem Morgen hatten wir bis dahin noch nicht. Das dabei keiner ins Wasser stürzte war ein Wunder. Im Kanal war es dann auch entsprechend voll, und bis zum Turm an der Mündung musste man gut aufpassen, nicht überfahren zu werden. Draussen auf der Donau löste sich der Pulk dann wieder auf, und die Leute entspannten sich etwas.
In Mohács legten wir an einer Rampe hinter einem Frachtschiff an. Der schmale Streifen Grün hinter der Flutmauer war sehr dicht gefüllt, denn es waren auch alle Neuankömmlinge schon anwesend. Das Schwimmbad nebenan war für uns die Dusche, kostenloser Eintritt. Kalt war's leider doch, das Wasser. David verkaufte seinen Klepper an Harry, der seinen alten nicht mehr dichtbekam. Das Unterwasserschiff war nur noch Stoff, kein bisschen Gummierung mehr drauf.
Am Abend wurde ein großes Fest gefeiert, mit Zigeuner-Musikgruppe und Tanz bis zum Umfallen. Wir gingen noch eine Runde spazieren in der Stadt, weil die Folklore-Stimmung nicht so ganz unser Ding war. Ein Café in der Ortsmitte bot uns die Ruhe, den Abschied von der "international community" zu feiern. Steve Lord, David, Mike und Julian luden uns, Steve Fitch, Biff, Karsten, Jenny und mich, ein. Ist schon seltsam, wenn man nach so kurzer Zeit das Gefühl hat, alte Freunde zu verabschieden. Es waren nichtmal 4 Wochen.
26.07. Mohács (Ruhetag)
Morgens früh wurde der Bus beladen, damit er Mittags rechtzeitig abfahren konnte. David war mit Harry schnell noch Geld holen, weil das Boot natürlich Bar bezahlt werden sollte. Das dauerte so lange, bis der Bus eigentlich abfahren sollte. In letzter Minute kam er auf seinem geflickten Faltrad angedüst. Das wurde noch schnell eingeladen und dann ging's schon los.
Nach der Verabschiedung tummelten wir uns erstmal im Schwimmbad, in sauberem Wasser ein paar Runden schwimmen. Dann das übliche Ruhetagsprogramm: Waschen, Essen, Stadtbummel, Einkaufen. Am nächsten Tag sollte es früh losgehen mit Grenzkontrolle und danach dürfe man erst wieder in Apatin, Serbien, an Land gehen. Nun denn. Abends haben wir noch die letzten Forint in einem Café in der Innenstadt ausgegeben, in dem Live-Musik gespielt wurde.
Zurück zu TID und mehr (2005) oder Die 50. TID, weiter mit Serbien und Montenegro oder zurück zu Slowakei 2, zum Inhaltsverzeichnis oder zu weiteren Expeditionen.

