TID und mehr (2005) - Die 50. TID - Deutschland

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Inhaltsverzeichnis

25.06. Ingolstadt (Ruhetag)

Am Tag vor der ersten Etappe sind zahlreiche Formalitäten zu erledigen. Es gibt Essensmarken für die gesamte deutsche Teilstrecke, Scheine für Stadtführungen, Wimpel und Aufkleber fürs Boot und, ganz wichtig, Unterlagen zur Streckenführung, den Schleusenzeiten und den Zeltplätzen. Eigeninitiative ist schon gefragt, sonst entgehen einem wichtige Informationen oder das Gratis-T-Shirt vom Donautag. Im Großen und Ganzen aber alles sehr gut durchorganisiert, wenn auch Spätaufsteher sich ordentlich sputen müssen, um alles zu erledigen. Ab 12Uhr ist kaum noch was zu bekommen.

Am Abend fand dann die große Eröffnungsfeier statt. Die Prozession der Paddler führt zum Saal des Restaurants am Auwaldsee, einer großen Halle voller Tische und einer unheil verheissenden Bühne. Trotz der recht großen Menge an freien Tischen ist es fast unmöglich einen Sitzplatz zu bekommen. Alles reserviert für noch nicht anwesende Leute. Ich war mit Bryan, einem für den WWF an der TID teilnehmenden New Yorker, und ein paar anderen von der Vorfaht herübergelaufen. Wir ergatterten ein paar Sitzplätze am hintersten Ende des Saales. Es kamen noch ein paar weitere Bekannte hinzu, David aud Groß-Brittanien, Steve von Guernsey-Island und jede Menge Unbekannter.

Der Saal war bald restlos gefüllt, und die Temperatur wurde unerträglich. Die Bedienungen kamen mit den Getränken nicht voran, und es dauerte über eine Stunde bis wir endlich etwas zu Trinken bekamen. Das heisst, die anderen bekamen etwas. Ich musste meine Apfelschorle 3x bestellen, bevor ich sie bekam. Das war dann kurz vor der Büffet-Eröffnung, nach etwa 2 Stunden.

Während sich die Offiziellen auf der Bühne mit Reden und Geschenken beschäftigten, warteten die meisten Paddler nur auf die Buffet-Eröffnung. Auch Highlights wie die Vorstellung von einem der Organisatoren der allerersten TID und die Multimedia-Präsentation der TID-Länderabschnitte gingen unter im allgmeinen Unzufriedenheitsgegrummel über Durst und Hitze. Auch die Band, die nach dem offiziellen Gerede spielte, konnte die Stimmung nicht mehr retten. Bei 40°C ohne Getränke hilft ja auch nichts.

Die lang herbeigesehnte Buffet-Eröffnung wurde dann zu einer echten Schlacht. Steve und ich beschlossen, so bald wie möglich mit gefüllten Tellern auf die Terrase des Restaurants zu flüchten. An der Vorspeisenschlange hatten wir uns schnell vorbeigedrängt und ein paar Hauptspeisen ergattert. Dann nichts wie raus. Draussen waren nur ein paar Raucher, und so hatten wir reichlich Platz zum Sitzen und essen. Welch Wohltat.

Nach dem Essen haben wir uns gleich auf den Heimweg gemacht. Rechtzeitig vor einem wolkenbruchartigen Regen kamen wir auf dem Faltboot-Clubgelände an. Während des Regens und danach noch ein bischen Gerede mit den diversen Anwesenden, und dann ab ins Zelt. "Wenn das nun jeden Tag so läuft mit dem Essen, dann gute Nacht" dachte ich bei mir.

26.06. Ingolstadt - Kelheim (44,3km)

  • km 2455,3 r FC Ingolstadt, Zeltplatz (ca. 300m vom Ufer)
  • km 2444,1 r Schleuse Vohburg
  • km 2411,6 l Kelheim, Einmündnug Main-Donau-Kanal
    • km 171,4 Kelheim, Main-Donau-Kanal, Altwasser zum Ausstieg
    • km 169,8 r Kelheim, Sportplatz

Am frühen Morgen begann der Aufbruch des Trecks. Waren die Morgen bisher recht entspannt verlaufen, sind 400 Paddler mit dem gleichen Ziel schon deutlich anstrengender. Die sanitären Einrichtungen waren dem Ansturm nicht gewachsen, also Schlange stehen. Um 9 Uhr sollte der offizielle Start erfolgen, und bis dahin waren fast alle schon weg. Ich selbst war etwa 20 Minuten früher auf dem Wasser, und wollte nicht bis zum offiziellen Start warten. Niemand wartete darauf. Wer im Wasser war, fuhr los. Kanadier, Kayaks, Ruderboote. Ein stundenlanges Gedränge und Geschiebe auf der Rampe des Faltbootclubs. Das kann ja heiter werden.

Auf dem Wasser entspannte sich die Lage. Der Anfang der Strecke war wie die bisherige Strecke der Donau auch mehr ein Stausee als ein Fluss. Im Laufe des Vormittags traf ich alle möglichen Leute, bereits Bekannte wie Bryan oder Steve und noch viele Unbekannte. Die Schleuse wurde von Wolfgang (vom KC Günzburg) bedient. Er machte das offenbar sehr gerne.

Das Mittagessen nahm ich im Boot sitzend ein. Das geht hervoragend im Klepper. Wurde zur Gewohnheit, man hat dadurch eine Stunde mehr Zeit auf dem Wasser. In Weltenburg bin ich dann aber doch kurz angelandet. Einen herrlichen Strand haben die dort, wie geschaffen zum Anlanden. Nach einer halben Stunde Beine vertreten und Postkarten kaufen bin ich dann durch den ersten Donau-Durchbruch gefahren. Ein wahrhaft beeindruckendes Erlebnis. Mit richtig guter Strömung fliesst der Fluß durch die steilen Felswände hindurch und schlängelt sich durch Felsbrocken und Überhänge hindurch. Wahnsinn. (Hier kommt noch ein Bild hin, das mir hoffentlich bald jemand überlässt)

Die Zufahrt zum Altwasser im Main-Donau-Kanal war leicht gefunden. Aber der Ausstieg war sehr schwer. Das Anlanden im flachen Wasser gign sehr gut, aber das Ufer hatte eine natürliche Stufe knapp oberhalb der Wasserfläche in der ansonsten steilen Schräge. Nur mit viel Hilfe schaffte ich das Boot rauf auf den Damm. Oben musste dann noch eine 500m-Strecke bis zum Abhang in den Sportplatz bewältigt werden. Alles zusammen sehr beschwerlich.

Der Platz war dafür hervorragend. Und auch die Verpflegung und das Abendprogramm waren gut. Zuvor allerdings war ich mit Oliver und Florian, zwei munteren Hessen, im Restaurant des Sportplatzes zum Abkühlen.

27.06. Kelheim - Regensburg (29,2km)

    • km 169,8 r Kelheim, Sportplatz
    • km 171,4 Kelheim, Main-Donau-Kanal, Altwasser zum Einstieg
  • km 2411,6 l Kelheim, Einmündnug Main-Donau-Kanal
  • km 2401,8 r Bootsgasse Schleuse Bad Abbach-Poikam
  • km 2383,0 r RC Regensburg, Zeltplatz

War das Rausholen der Boote sehr beschwerlich, mussten die Boote nun nur den Hang runtergelassen werden. Im Wasser landeten sie fast von allein. Mit entsprechender Hilfe war das kein Problem. Mit Bryan zusammen startete ich in den Tag.

Die Bootsgasse an der Staustufe bereitete mir etwas Unbehagen. Ich war noch nie eine solche Gasse runtergefahren, und nun gleich mit vollbeladenem Boot. Nach dem Anlanden am Steg vor der Gasse haben wir uns erstmal angeguckt, wie das so geht. Sehr nasse Angelegenheit, das. Mit grosser stehender Welle am Ende und starkem Wasserwirbel im Auslauf. Alle die da runterkamen wurden geduscht und unerbittlich gegen die linke Betonwand des Auslaufs gedrückt.

Aber gefährlich sah es nicht aus. Wir warteten auf eine Lücke der ankommenden Fahrzeuge und Bryan fuhr zuerst runter. Ich bin dann hinterher. Supergut ging es durch die Welle hindurch, das Wasser spritzte mir ins Gesicht und der Schwall ging trotz Spritzdecke ordentlich ins Boot. Und was macht mein Boot? Die Strömung schiebt es nicht paralell nach links, wie bei den anderen, sondern dreht nur die Nase zur Mauer. Und so kam es, wie es kommen musste. Die Nase steckte sich genau zwischen Betonwand und Eisenleiter am Ende der Wand. Ich konnte nur zusehen, wie der Bug umgebogen wurde. Und dann stak ich fest. Mit dem Paddel schaffte ich es, das Boot im rechten Winkel zur Mauer zu halten, konnte aber das Boot nicht selbst befreien. Ich rief Bryan zu Hilfe, der sofort da hinschwamm und meinen Bug aus der Leiter zog. Vielen Dank dafür! Triefnass haben wir den Schaden am Ufer begutachtet.

Bis Regensburg musste es erstmal gehen. Die Nase war zwar gebrochen, aber dicht und ausreichend stabil. Abends nahm ich das Boot auseinander und konnte den Schaden begutachten. Noch bevor ich etwas machen konnte, kamen die ersten mit Epoxydharz und begannen die Holzteile zu kleben. Den Bugsteven schiente ich mit einem verschraubten Stück Metall, die Decksleiste und die Seitenleiter wurden nur geklebt. Alles wurde dann mit Klebeband umwickelt.

Den Abend verbrachte ich mit der Suche nach der Telefonnummer des Klepper-Vertreters. Ich wollte nicht schon von Beginn an geflickte Teile fahren. Aber die war nicht so leicht zu bekommen. Visitenkarten hatte er in Ingolstadt reichlich verteilt, aber nicht an mir bekannte Leute.

Im Dunkeln baute ich dann das Boot wieder zusammen, nachdem das Harz halbwegs ausgehärtet war. Es sah ganz OK aus.

28.06. Regensburg - Straubing (55,5km)

  • km 2383,0 r RC Regensburg, Zeltplatz
  • km 2379,7 l Schleuse Regensburg
  • km 2354,3 l Schleuse Geisling
  • km 2329,8 r Schleuse Straubing, Bootsgasse
  • km 2327,5 r Straubinger KC, Zeltplatz

Früh um 8 Uhr wurde in Regensburg geschleust. Die alternative Bootsgasse erschien mir nicht angebracht. Ich fürchtete, dass der Bug die Belastung evtl. nicht aushalten würde. Also war ich rechtzeitig auf dem Wasser. In Geisling allerdings war ich zu spät. Nachdem sich aber genug weitere Nachzügler eingefunden hatten, wurden wir mit der Großschiffahrt mitgeschleust. In Straubing musste die Bootsgasse benutzt werden, die aber sehr modern ist und sogar ohne Spritzdecke befahren werden konnte.

Ich erreichte tagsüber die Klepper-Werft, und der Vertreter erklärte sich bereit, nach Straubing zu kommen. Er müsse sowieso nach Wien, und käme dann vorher vorbei. Stolzer Preis, aber hervoragender Service. So soll's sein.

Der Platz in Straubing war ziemlich voll, auch die Zusatzflächen ausserhalb des Clubgeländes. Um Schatten brauchten wir uns keine Gedanken machen, das Wetter wurde langsam schlechter.

29.06. Straubing (Ruhetag)

Den ganzen Tag hatten wir düstere Wolken am Himmel, und den ein oder anderen Regenguß. Die Stadtbesichtigung zu Fuss gestaltete sich entsprechend. Als der Klepper-Vertreter am Nachmittag kam, klarte es etwas auf. Das brauchte ich dringend, denn im Regen das Boot zerlegen wollte ich auch nicht. Knappe 300,-EUR waren für die Holzteile fällig, die ich gleich einbaute. Im neuen Glanz erstrahlte das Boot rechtzeitig vor dem Dunkelwerden.

30.06. Straubing - Mühlham (57,2km)

  • km 2327,5 r Straubinger KC, Zeltplatz
  • km 2270,3 r Mühlham, Zeltplatz

Keine Schleuse. Die beste Nachricht, die es gab. Mit guter Strömung ging es an vielen Buhnen vorbei bis nach Mühlham. Ausser den steilen Hochwasserdämmen am Ufer war nichts zu sehen. Hie und da lugte ein Dach über die Dämme, das war's. In Mühlham lagerten wir auf dem Damm und im Garten einer anwohnenden Familie. Sehr interessant. Und der erste Ausfall aus gesundheitlichen Gründen war zu verzeichnen. Der Mann war den Strapazen nicht mehr gewachsen.

01.07. Mühlham - Erlau (54,6km)

  • km 2270,3 r Mühlham, Zeltplatz
  • km 2230,7 l Schleuse Kachlet
  • km 2215,7 l Erlau, Zeltplatz


TID2005_Passau.jpg
Den Großteil der Strecke wieder keine Schleuse. Zügig ging es bis zur Staustufe Kachlet vor Passau. Die Schleusung war wieder mit der Großschiffahrt. Danach liess ich mich durch Passau treiben, und am Zusammenfluß von Donau und Inn konnten wir beinahe Wildwasser geniessen. Stehende Wellen, 30-50cm hoch. Schön! Und endlich wieder Berge zu sehen.

Am Ausstieg in Erlau fand gerade die Einweihung der neuen Treppe für die TID statt. Ein sinnloses Bauwerk, das keiner nutzte. Wer nicht schon vorher ausstieg, fuhr einige Meter weiter zu einer Rampe. Auf dem Gelände des Sportplatzes war aber reichlich Platz für alle, wenn man die Schlammlöcher einmal mitzählte. Kühl wurde es dann auch recht schnell. <div style="clear:both" />

02.07. Erlau (Ruhetag)

TID2005_Erlau_PakBoat2er.jpg
Eine Schlammschlacht bahnte sich an. Der Regen der Nacht weichte den Boden weiter auf, die herbeigeschafften Strohmengen reichten nicht zum Abdecken aus. Aber es war zu ertragen. Während einige ihre Sachen packten, kamen neue Teilnehmer an. Unter anderem Karsten, der von Passau mit seinem PakBoat 2er runtergepaddelt kam. Am Abend wurde Abschied gefeiert, von Teilnehmern, von Deutschland. Das Feuerwerk am Donauufer war imposant, wirkte aber reichlich unkoordiniert. Die Musik im Festzelt war kaum zu hören, und die hohen Bäume am Ufer versperrten die Sicht auf die flacheren Feuerwerksteile. Schade eigentlich.

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