Roadster-Tour (2004)

Aus KramerOnTour

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Im Herbst 2004 schenkte ich mir ein Roadster-Wochenende. 2 Tage sinnlos durch die Alpen heizen. Von Augsburg nach St.Moritz und über Bozen wieder zurück. So was Spassiges aber auch!

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Inhaltsverzeichnis

Die Idee

Im Herbst 2003 spielte ich mit dem Gedanken, mein Auto zu verschrotten. Ich würde es den Winter über sowieso nicht benutzen, und das neueste Modell war mein Corsa auch nicht mehr. Der Gedanke allein liess schon das Verlangen auf eine richtige Abschiedstour entstehen. Aber nachdem mir auf meiner Reise quer durch Deutschland schon Bremsen und Auspuff ausfielen, wollte ich es mit meinem Corsa nicht mehr wagen. Schliesslich wollte ich richtig rumheizen.

Ende Oktober stolperte ich im Internet dann über ein Sonderangebot eines Münchner Autoverleihers. Ein Wochenende Smart-Roadster für 45,-EUR. Leider war ich natürlich zu spät, aber für 2004 wurde das richtig eingeplant. Der Wagen entsprach auch meiner Vorstellung. Kein PS-Bolide, sondern eine gut mototrisierte Schuhschachtel. Statt Power pur Fahrspass satt.

Freitag, 05.11.

Es regnet. Wie aus Eimern schüttet es schon den ganzen Tag. Ich bin mit dem Rad in die Arbeit, um von dort direkt zur Autovermietung zu fahren. Pünktlich um 16Uhr bin ich dann losgedüst, das Auto abholen. Das Rad ordnungsgemäss abgestellt und fest angeschlossen, damit es auch Sonntag nachts noch da ist. In voller Regenmontur bin ich dann in die Autovermietung gestapft.

Die Dame an der Rezeption war gerade am Telefonieren, und ich schälte mich aus den tropfenden Klamotten. Als ich die Regenhose auszog, sagte die Dame plötzlich ins Telefon: "Du, ich muss Schluß machen, da ist ein Mann da, der zieht sich hier aus!". Nur 5 Minuten später war sie tatsächlich fertig telefonieren. Der Mietvertrag war schnell unterschrieben, aber vor den Start hat Europcar die Einweisung gestellt. Die müsse ihr Mann machen, weil sie keine Ahnung habe vom Smart. Der müsse aber bald kommen. Und ich versuchte geduldig zu warten. Da draussen stand er, in Sichtweite. Ich hatte den Schlüssel schon, aber ich durfte nicht hin.

Eine unendlich lange Zeit später kam dann der Mann. "Tipptronic" hiess das Problem-Kind, halbautomatische Schaltung. Wer das nicht kennt, so meinte er, komme damit nicht zurecht. Also eine kleine Proberunde mit ihm gedreht, und dann ab auf die Piste. Erstmal ins Industriegebiet hinter der "Umweltmeile", wo Freitag nachmittag weder Ampel noch Auto zu finden ist. AUSPROBIEREN! Hölle. Was 80kw mit 430kg anstellen können ist sagenhaft. Bis 10.000 Umdrehungen jault der Motor hoch und drückt einen gut in den Sitz. Bei 80 im dritten Gang ist dann Schluss. Ende Beschleunigungsrausch. Wie beim Corsa...

Meine Erwartungen wurden von dem Auto erfüllt. Einzig die halbautomatische Schaltung ist echter Mist. Die ist so langsam, das sportliches Fahren praktisch unmöglich ist. Laut Handbuch geht das Fahrzeug von 0 auf 100km/h in 10,5 Sekunden. Davon entfallen bestimmt 5 auf die Schaltung. Und das für 2 Schaltvorgänge. Bodenhaftung, Spurtreue, Fahrgefühl und Handling haben mich beeindruckt.

Den Abend habe ich mit Medi noch eine Probefahrt gemacht, sie wollte mich schliesslich begleiten. Einmal rund um Augsburg, dann noch den Kofferraum begutachten (vorne soviel wie ein Wasserkasten, hinten für eine Schachtel Pralinen). Genug Vorbereitung, noch ein Käffchen trinken, und dann endlich schalfen bis zum Start.

Samstag, 06.11.

Trocken. Sonne angesagt. Windig und kühl. Keine Wanderer, keine Sonntagsfahrer. Gut! Vormittags Medi abholen, Gepäck ins Auto pressen und ab auf die B17 Richtung Füssen. Die Streckenplanung wollte Medi mir überlassen, nur am Sonntag wäre sie gerne zum Eishockey wieder in Augsburg. Dass sollte sich machen lassen.

Auf der B17 konnte der Smart zeigen, wofür er nicht gebaut ist. Stupide Geradeausfahren mit Tempo 120 wird schon nach kurzer Zeit zur Tortour. Nur die Vorfreude auf die Passstrassen hilft darüber hinweg, dass selbst mein Corsa hier mehr Fahrvergnügen bereitet hätte. 2 Stunden Monotonie reichen dann auch völlig, und ab Füssen kommt richtig Freude auf. Über Reutte Richtung Imst auf noch relativ geraden Landstrassen spürt man schon deutlich, dass dies die Domäne des Smart Roadsters ist.

Und am Fernpass ist dann die Langeweile und Monotonie endgültig vorbei. Der Smart springt die Serpentinen förmlich hoch, er klebt wie Kaugummi auf dem Asphalt. Trotz der Tipptronic geht es hurtig bergauf und -ab. Ein kleiner Fehler und schon ist der Wagen das erste Mal am Berg verhungert. Und mir der Grund klar, warum die Schalterei so lang dauert. Zur Schonung der Kupplung werden Motor- und Getriebedrehzahl aufeinander abgestimmt, und das geht bei starken Steigungen schief. Das Fahrzeug bremst dann schneller durch die Schwerkraft als der Motor Drehzahl verliert und schwupps steht das Auto. Dann hilft nur ganz runterschalten und nochmal durchstarten.

Am frühen Nachmittag haben wir dann den Reschenpass überquert und eigentlich das Tagesziel schon erreicht. Ein kurzer Blick in die Karte reicht, um eine längere Route mit vielen Passstrassen über St. Moritz auszumachen. Nach St. Moritz, jenem mondänen Wintersport-Ort, wollte ich schon immer mal, und Medi war das egal. Sie sass schon die ganze Zeit still da und quälte sich mit Bauchschmerzen herum. Zum Kaffee waren wir dann in St. Moritz.

Warum St. Moritz so bekannt geworden ist, ist mir ein Rätsel. Fürchterlich hässlich, der ganze Ort. Keinerlei Berg-Idylle, und Wintersport-Möglichkeiten sind auch Fehlanzeige. Der nächste Lift ist 20km weit weg, das Ende der Abfahrten ebenso. Wir haben getankt, etwas Schweizer Schokolade und was zu Trinken gekauft und sind weiter auf unserer Strecke gefahren.

Aus dem Engadin über den Passo del Bernina gings nach Italien rein. An Tirano vorbei immer den kleinsten Strassen folgend sind wir bis kurz vor Sonnenuntergang lauter Berge rauf und runter gebrettert. In Temu', einem winzigen Ort am Adamello-Nationalpark, unweit des Passo di Tonale, haben wir dann in der Albergo Veduta dell'Adamello eingecheckt. Der Ort hat reichlich Übernachtungsmöglichkeiten, die alle ab 01.12. zur Wintersportsaison geöffnet werden. So aber war nur dieses Hotel und eine Pizzeria geöffnet.

Nach der obligatorischen Pizza im Ristorante La Lanterna sind wir noch eine Runde durch den Ort spaziert. Der Festtags-Schmuck von der Allerheiligen-Prozession hing noch überall, und das Dorf machte einen sehr modernen Eindruck.

Sonntag, 07.11.

Nach einem ausgiebigen Frühstück befreiten wir das Auto vom Rauhreif, es war doch recht kalt hier oben. Trotz morgendlicher Sonne froren wir eine Weile, bis das Auto warmgefahren war. Den Passo di Tonale rauf gings aber schon wieder richtig herrlich gut. Und bis zum Lago di Tovel waren wir schon wieder in bester Laune. Ein herrlicher See-Blick zwang uns zu einer kleinen Pause in Cles, um die vormittägliche Sonne zu geniessen. Wenn ich nur ein Boot mitgehabt hätte...

Danach gings dann weiter nach Merano, dem Westzipfel von Osttirol. Dort nahmen wir einen Kaffee ein und schauten uns ein Wenig die Stadt an. Gegen Mittag verliessen wir dann Italien über den Jauffenpass und den Brenner. Auf dem Weg den Jauffenpass runter begann es zu schneien. Da der Smart nur Sommerreifen drauf hatte, bin ich zügig durchgefahren bis nach Deutschland. Zwar immernoch alles Landstrasse, aber ohne besondere Highlights. Über Innsbruck nach Garmisch-Partenkirchen. Hier war dann richtig dichter Schneefall und geschlossene Schneedecke. Erst hinter dem Ammergau wurde das Wetter wieder besser, und der Roadster konnte wieder als "wettertauglich" eingestuft werden. Medi ist dann vom Ammergau den Rest der Strecke gefahren. Etwa um 15:30 waren wir dann bei ihr zu Hause. Rechtzeitig zum Eishockey, wie ich es versprochen hatte.

Ich bin dann auch nach Hause, das Auto ausräumen und volltanken. Gegen 22Uhr habe ich mich aufgerafft, das Gefährt zur Auto-Vermietung zurückzubringen. Alles rausgeräumt, abgeschlossen und den Schlüssel in den Rückgabe-Kasten geworfen. Als ich dann mein Rad aufschliessen wollte, musste ich feststellen, dass ich den Schlüssel zu Hause liegengelassen hatte. Ein krönender Abschluß! Medi hat mich dann mit ihrem Auto abgeholt und ich mein Fahrrad am Montag abend geholt.

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