Rad-Tour ins Allgäu (2006)
Aus KramerOnTour
Sehr früh im Jahr, vom Sonnenschein gelockt, machte ich eine Runde ins Allgäu. Ein paar Freunde von der TID besuchen, dafür Wertach rauf und Lech runter. Ein paar Tage Spass vor der Saison, dachte ich...
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Samstag, 01.04.

Am Scherztag zu starten, versprach viel Spass. Früh um halb 9 war ich denn auch schon am Packen. So gegen 11 ging's dann los, immer die Wertach aufwärts. Die Renaturierungsbaustelle bei Augsburg-Inningen und -Göggingen ist recht weit fortgeschritten. In 10 Jahren sieht's dann vielleicht etwas natürlicher da aus. Ab Bobingen aufwärts ist aber noch alles wie vor dem Hochwasser von 1999: steile Ufer, Abwasserkanal-Ambiente.

In den Waldstücken sind massig Sturmschäden zu sehen, überall liegen frisch zugesägte Holzstapel und Asthaufen. An einigen Stellen lagen die Bäume noch über den Radweg. Das hält ganz schön auf, das Rad über einen beasteten Baumstamm drüberzuheben. Aber auch Bieber waren für umgelegte Stämme verantwortlich.
Die Wertach führte Hochwasser, alle Staustufen waren auf Durchzug gestellt. Allerdings alles im normalen Rahmen, keinerlei Überschwemmungen irgendwo.

Gegen 18 Uhr kam ich an der geplanten Übernachtungsstelle kurz vor Kaufbeuren an. Ein sehr guter Platz hinter dem Deich war schnell gefunden, allerdings waren sehr viele Leute hier noch unterwegs. Das Zelt war kaum aufgebaut, da führten die Schwäne ihr Ballett auf. Leider bewölkte es sich nun auch und wurde schnell kalt. <div style="clear:both" />
Sonntag, 02.04.
Die Nacht war kalt, so kalt, dass ich ordentlich fror. So war ich denn schon um 9:30 auf dem Rad und unterwegs nach Kaufbeuren. Dort nahm ich ein ausgiebiges Frühstück beim Stadtrand-Bäcker ein. Was da los war, die Leute standen Schlange bis auf den Parkplatz.
Nach Kaufbeuren konnte ich nicht mehr recht an der Wertach langfahren. Nach einem Kilometer zwischen Stacheldraht und Gebüsch am Ufer des Bärensees wich ich auf die Strasse aus. Man sollte schon an der Staustufe des Bärensee auf die Strasse fahren. Hinter dem Bärensee gings dann über die Felder zur Staustufe (hier nicht den ersten Weg von der Strasse rein, sondern erst den zweiten), und über Biessenhofen nach Ebenhofen an der Wertach entlang.

Von hier fuhr ich nach Riederatshofen, Thomas von der TID besuchen. Der lebt auf einem Hof oben am Hang, vermutlich die steilste Strecke der ganzen Tour. Gegen 13 Uhr war ich da oben und konnte die herrliche Aussicht geniessen. Thomas war gut überrascht, ich hatte mich schliesslich nicht angemeldet. Nach einem Mittagessen machte ich mich wieder auf den Weg. Auf dem Weg runter vom Hang sah ich, dass eine Schraube am Vorderrad lose war. Glück gehabt, dass nichts passiert ist.
Ich folgte Thomas' Rat und fuhr weit ab von der Wertach entlang der Strasse nach Oy. Es begann zu regnen und der Wind wurde kräftiger. Natürlich von vorn, woher denn sonst. Dazu wurde es kalt. Bei Unterschwarzenberg überquerte ich einen Pass mit 898m Höhe. Hier lagen noch meterhohe Schneehaufen neben der Strasse. So viel weiter ging's aber nicht mehr runter nach Oy. An einer Tankstelle in Oy machte ich nochmal Pause, es schüttete gerade mit stürmischen Winden. Ca. 19 Uhr kam ich endlich auf dem Campingplatz in Haßlach am Grüntensee an. Den angepeilten Platz am anderen Ende des Sees wollte ich nicht mehr anfahren, es reichte mir deutlich.
Der Empfang auf dem Platz war sehr herzlich, ich genoss dann noch eine heisse Dusche und ein Schnitzel im Restaurant nebenan. Kaffee zum Frühstück wurde mir auch versprochen. Wenn es nur nicht so kalt da gewesen wäre. <div style="clear:both" />
Montag, 03.04.
Nach einer durchfrorenen Nacht brachte ich meine Sachen so gegen 8:30 in den Waschraum und trocknete alles auf der Heizung. Der Kaffee bei Hedel war gut, und das Frühstück reichlich lecker. Eine Stunde später packte ich die mittlerweile getrockneten Sachen zusammen und machte mich auf den Weg um den Grüntensee.
Gegenwind hatte ich bis nach Wertach, dem Ort im Süden des Sees. Die Wege waren noch voll Schnee und Eis. Das 2. Frühstück am Supermarkt und der gute Rückenwind trugen mich im Handumdrehen nach Nesselwang. Dort empfing man mich mit einem Hagelsturm, der mich zum Stop in einer Bushaltestelle zwang. Das tut vielleicht weh, diese Eisstücke mit Wucht ins unterkühlte Gesicht zu bekommen. Mittlerweile war's dann auch 12 Uhr, und Zeit zum Weiterfahren.
Als es nur noch regnete ging's weiter nach Hopferau auf einer tollen Strasse mit sehr wenig Verkehr. Beinahe hätte sich eine Bäuerin zu Tode erschreckt, als ich mit meinem Rad an ihr vorbeiflitzte. Wer rechnet auch bei Regen mit Radfahrern in den Bergen?

Am schönen Hopfensee ging's entlang, dort trieb noch das Eis auf der Lee-Seite. Trotz herrlichem Sonnenschein. Als ich in Füssen ankam, machte ich erstmal Pause am ehemaligen Landratsamt und trocknete meine Sachen in der Sonne. Dann kam ich endlich an den Forggensee, aber da war gar kein Wasser drin. So'n Mist, diese dämlichen Stauseen. Es ging also am Seeufer ohne Wasser weiter bis nach Brunnen, an der Ostseite des Sees. Nach der Starthilfe für einen Kiter namens Lupo schlug ich mein Zelt auf dem völlig überteuerten Campingplatz auf (13,- EUR für eine Nacht im Zelt).
Ohne Gepäck drehte ich noch eine Runde mit dem Rad und kam genau wieder am Startplatz des Kiters an, als er erneut starten wollte. Ich sah ihm eine Weile zu, dann kamen zwei Wanderer hinzu. In einem Gespräch stellte sich heraus, dass das ehemalige Nachbarn von Walter waren, dessen Adresse ich vergessen hatte. Sie erklärten mir den Weg, und so fuhr ich abends nach dem Essen noch zu Walter.

Walter war total überrascht, und wir schauten uns die von mir mitgebrachten Bilder an. Er beglückte mich mit drei Paar Regenschuhen für's Fahrrad, die ich bisher nicht hatte. Das würde helfen, nicht so üble nasse Schuhe zu haben im kalten Regen. Wir verabredeten uns noch für den folgenden Nachmittag, dann ging's ins Zelt. <div style="clear:both" />
Dienstag, 04.04.
Die bisher kälteste Nacht im Zelt. Zumindest empfand ich es so. Als ich aus dem nassen Zelt kletterte, sah ich, dass ich genau im Schatten des Nachbar-Wohnwagens stand. Also alles raus und Zelt in die Sonne verlegt.

Gegen 10 Uhr war ich auf dem Rad. Rund um den Forggensee wollte ich fahren, obwohl ja nicht viel vom See zu sehen war. Mittagspause machte ich ca. 12 Uhr bei der Radler-Tankstelle im herrlichen Sonnenschein. Kurz vor 14 Uhr war ich dann wieder bei Walter, noch einen Tee trinken.
15 Uhr ging's nochmal am Forggensee entlang, diesmal östlich des Bannwaldsees vorbei. Der war noch total zugefroren. An der Staustufe des Forggensees ging's dann am Westufer des Lech nach Lechbruck. Leider war nicht viel vom Fluss zu sehen, da die Strecke recht weit abseits vom Fluss verlief. Und die tolle Karte, die ich mit hatte, zeigt Wege, die es nicht (mehr?) gibt. So musste ich am Westufer bleiben, obwohl die schönere Strecke am Ostufer nach Lechbruck führen sollte.

In Lechbruck landete ich gegen 17 Uhr auf dem ebenfalls sehr teuren Campingplatz (11,- EUR). Die Ecke ist wunderschön, den See dort muss ich unbedingt mit dem Boot befahren. Leider war der Speicher der Kamera fast voll, so machte ich nur wenig Bilder davon.
Es war mittlerweile richtig warm geworden. Nach der Dusche ging ich noch was Trinken im Ort. Auf dem Rückweg wurde es empfindlich kälter. Und die Nacht war so dermassen kalt, von erholsam keine Spur. <div style="clear:both" />
Mittwoch, 05.04.
Zum Packen im Zelt wickelte ich mir den Schlafsack um. Aber es half nix. Es war einfach saukalt, die Finger froren fast ein. Im Schneeregen packte ich das Zelt ein. Trotz der Anstrengung, bei der ich üblicherweise ins Schwitzen komme, wurde es nicht wärmer in meinem Klamottenpanzer. Auch beim Radfahren keine Besserung. Stattdessen saugten die Handschuhe den Schneeregen auf und wurden noch zusätzlich kalt.
In Schongau pausierte ich in der Innenstadt und trank einen Kaffee. Aber die erhoffte Erwärmung fand nicht statt. Etwas ausserhalb von Schongau kehrte ich am Lechufer im griechischen Restaurant Kos ein, und hoffte mich ein Wenig durchzuwärmen. Aber der Wirt erzählte von seinem schönen Heimatdorf in Griechenland, dem Schafskäse, der Sonne und dem Meer. Nach dem Anziehen der kalten, nassen Klamotten entschied ich mich, von Schongau mit der Bahn zurückzufahren. Um 14:02 sass ich im geheizten Zug nach Augsburg. Zu Hause packte ich die nassen Sachen noch aus und warf mich in die Badewanne. Trotz heissem Wasser fror es mich noch.

