Obertauern Snow-Kite-WM (2005)
Aus KramerOnTour
Die allererste Snow-Kite-WM der Welt fand 2005 in Obertauern / Österreich statt. Ich war da, nur gesehen hab' ich praktisch nichts von der WM. Gefahren hat mich Sibylle, eine Freundin aus Stuttgart.
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Donnerstag, 17.02.
Geplant hatten wir die Anreise irgendwann am Vormittag. Mit so genauer Planung kommt's wie es kommen muss. Sibylle kam gegen 12Uhr bei mir an, und ich war noch nicht ganz fertig mit Packen. Schneeketten mussten wir dann noch schnell kaufen fahren. Kurz vor 14Uhr kamen wir dann endlich auf die Autobahn. Mit einem Zwischenstop kurz vor Salzburg zum Picker'l kaufen und einem zweiten zum Tanken kurz hinter Salzburg fuhren wir störungsfrei durch bis nach Obertauern. Es war noch nicht Dunkel, als wir uns im Ort umschauten und beim Touristen-Informations-Zentrum einen Lageplan für die Snow-Kite-WM wollten. So was gab es nicht, das Areal lag an der Piste östlich der Pass-Strasse, sehr übersichtlich das Ganze.
Wir haben es uns kurz angeschaut, und wollten dann erstmal einen Platz zum Übernachten suchen. Aber vom Parkplatz kamen wir nicht wieder runter. Wie gut, das Sibylle unbedingt Schneeketten mitnehmen wollte. Damit ging's dann ganz einfach. Die Ketten haben wir dann besser draufgelassen, und sind ein Wenig durch den Ort gefahren. Schneeketten sind hier absolut empfehlenswert, bei den Steigungen und Strassenverhältnissen.
Abends haben wir was Warmes getrunken, und sind zum Nachtplatz gefahren. Hier standen schon ein paar zum Übernachten, allerdings mit Bussen und Standheizung. Wir haben es uns gemütlich gemacht und die erste Nacht in Sibylles Kombi verbracht.
Freitag, 18.02.
Ich habe die ganze Nacht gefroren. Eiszapfen in der Nase hätten mich nicht gewundert. Sibylle in ihrem Eskimo-Schlafsack fand's OK, aber meine 2 Sommer-Schlafsäcke haben nicht viel geholfen. Kurz nach Sonnenaufgang sind wir zum Frühstücken in den Gasthof Sailer gegangen. Kaffee, Zähneputzen und Aufwärmen.
Dann ging's rüber zum WM-Areal. Das war von unserem Nachtplatz aus nur ein paar Meter zu Fuß, so dass wir das Auto stehen lassen konnten. Und Kite-Schirme konnten wir vom Auto aus auch schon sehen. Als wir dann auf den Platz kamen, waren wir am falschen Ende, beim Fahrer-Lager. Die Zuschauer-Plätze waren weiter den Hang hoch. Los war da gar nichts. Ein paar Vielleicht-Weltmeister fuhren ganz gemütlich mit ihren Kites herum, ein DJ spielte Boarder-Musik ab und ein holländischer Moderator bemühte sich redlich, dem nicht-anwesenden Publikum eine gute Stimmung abzugewinnen.
Sibylle holte sich ihr Snowboard, und verbrachte den Tag auf ihrem Board. Ich drückte mich bei der Zuschauer-Tribüne herum, bis mir zu kalt wurde. Etwas die Piste runter war die Lürzer-Alm, in der eine der WM-Parties stattfinden sollte. Da bin ich dann einen Tee trinken gegangen. Es war so dunkel da drin, dass ich mir blind vorkam. Als ich endlich wieder was sehen konnte, wünschte ich mir, nichts sehen zu können. Eine Apres-Ski-Hölle vom Feinsten. Alpin-Kitsch meets Party-Location. Bloss weg da...
Nachmittags starteten doch noch 2 Rennläufe, beide wurden aber mangels Wind wieder abgebrochen. Die Kites fielen einfach vom Himmel, keine Hyper-Action. So um 15Uhr gaben die Veranstalter die Hoffnung auf Wind auf und sagten die Rennläufe für den Tag ab. Sibylle kam auch recht abgekämpft vom Pistenbügeln zurück, sie hatte seit 2 Jahren nicht mehr auf'm Brett gestanden.
Den frühen Abend gingen wir in das Restaurant im Olympiastützpunkt Obertauern, auf dessen Parkplatz wir standen. Aufwärmen, was warmes Trinken und etwas nicht-gefrorenes Essen. Angenehme Atmosphäre, normale Preise und eine gute Heizung hielten uns bis zum Schlafengehen dort. Dann wieder raus in die Kälte, ins tiefgefrorene Auto. Mann, ist so ein gefrorener Schlafsack kalt!
Samstag, 19.02.
Noch eine durchfrorene Nacht. Eiszapfen bildeten sich am Auto-Himmel. Kurz nach Sonnenaufgang sind wir wieder zum Frühstücken in diesen Gasthof Sailer gegangen. Wieder Kaffee, Zähneputzen und Aufwärmen. Und ein kleines warmes Frühstück.
Wind hatte es leider den ganzen Tag nicht. Statt dessen haben die Veranstalter eine Motor-Winde installiert, mit der man sich wie von einem Kite ziehen lassen konnte, um dann über einen im Schnee eingebuddelten VW-Bus zu springen. Fand nicht so viel Anklang, war aber die einzige Action den ganzen Tag. Ein paar Leute zeigten noch Sprünge über andere Schneehügel, nachdem sie von einem Snow-Mobil angezogen wurden. Snickers und Red-Bull wurden in Massen verteilt, der Holländer brachte mich fast um den Verstand mit seinen hoch-geistigen Sprüchen und die Sonne brannte erbarmungslos herunter.
Den späteren Nachmittag wollte Sibylle nicht mehr auf dem Board verbringen, also sind wir zum Einkaufen nach Radstatt gefahren. Als wir dafür das Auto umpackten, lud uns der Stellplatz-Nachbar Ulf in seinen standgeheizten Bus zum Spieleabend ein. Ein warmes Plätzchen lehnten wir nicht ab. Nach dem Einkaufen sind wir noch zum Essen in den Olympia-Stützpunkt und wollten dort eigentlich auch duschen. Geht da aber nicht, weil die nur eine Dusche für die Sauna haben. Egal, dann nur was Essen.
Ulf und seine Freundin Bess waren auch zur WM angereist, hatten aber auch Pech. Auch sie kamen an, als der Wind ging. Das hatten sie bei der Kite-Surf-WM im letzten Sommer auch gehabt, meinte Ulf. Wir haben ein bischen geplauscht und Kniffel gespielt. Als Sibylle fast eingeschlafen ist, sind wir wieder in die kalte Nachtkammer gekrochen. Ulf und Bess sind später noch zur WM-Party in die Lürzer-Alm, aber da hätten mich keine 10 Pferde hinbekommen.
Sonntag, 20.02.
Die letzte Nacht. Ich habe nicht ganz bis Sonnenaufgang geschlafen. Ich habe mich angezogen und bin draussen herumgelaufen zum Aufwärmen. Im Auto war es nur unwesentlich wärmer, und die Bewegung verschaffte mir die nötige Wärme. Sibylle schlief tief und fest in ihrem dicken Daunen-Bett. Ulf und Bess waren dann schon wieder auf, als Sibylle endlich wach wurde. Das Boarden ist ganz schön anstrengend, sagt sie. Die beiden Nachbarn fuhren dann nach Hause, und wir sind ein letztes Mal zum Frühstücken in den Gasthof Sailer gegangen. Ein letztes Mal Kaffee, Zähneputzen und Aufwärmen.
Wind hatte es den ganzen Tag wieder nicht. Schon morgens wurden alle Rennläufe abgesagt. Bis wir vom Frühstücken kamen, waren die Veranstalter schon am Einpacken. Der Holländer nervte erst gar nicht mit seinen Sprüchen, es gab keine Snickers und kein Red Bull mehr, und auch keine warmen Getränke. Sonne war auch nicht, und Sibylle musste ich erst zum Boarden überreden. Anstrengender Vormittag.
Gegen Mittag hatte Sibylle endgültig die Schnauze voll. Genug Piste gebügelt, Zeit zum Heimfahren. Das Packen zog sich zwar etwas hin, aber wir waren reichlich früh auf dem Heimweg. Sibylle meinte, ob ich mir nicht noch was angucken wollte, weil ja noch so viel Tag über ist. Wir sind dann noch zum Königssee gefahren.
Der Königssee liegt am Fuss des Watzmann im östlichsten Teil der Deutschen Alpen. Er ist für Sportboote aller Art gesperrt, nur Ausflugsboote dürfen den See befahren. Man kommt nur von Berchtesgaden an den See, über eine breite Touristen-Strasse. Am Ende der Strasse ist ein großer Parkplatz, auf dem man zum Winter-Preis von nur 3 EUR sein Auto eine Stunde abstellen darf. Die haben was an der Waffel. Nicht mit uns. Wir sind dann rechts rein zum Campingplatz gefahren, der im Winter geschlossen ist, weshalb man dessen Parkplatz kostenlos benutzen kann. Einen kurzen Spaziergang an der Königseer Ache entlang führte uns in die Touristenfalle Königssee. Wie gut, dass Winter war und keine Busladungen voll Touristen hier abgeladen wurden. Brutaler Massentourismus. Ach ja, Obi kann mit seinem "Deutsch-Herren-Denkmal" einpacken. Hier gibt's Automaten, die einem eine Holzscheibe von einem Ast runtersägen und einen Königssee-Stempel draufmachen. Das ist touristisch.
Nach einer kurzen Info-Pause am Bootssteg sind wir zur ältesten Kunsteisbahn der Welt rüberspaziert. Hier kann man mal Probe-Rodeln (nach Kunsteis suchen lassen) zu bestimmten Terminen oder nach Vereinbarung im Renn-Bob mitfahren. Weitere Termine gibt's beim WSV Königsee. Die Bahn selbst kann kostenlos besichtigt werden, und ist sehr beeindruckend.
Am Fuss der Bahn direkt am See waren wir im Echostüberl dann noch einen Kaffee trinken. Reichlich aufgewärmt haben wir dann endgültig die Heimreise angetreten. Den Königsee werde ich im Sommer sicher nicht besuchen. Erst recht nicht, da man auf dem See nicht paddeln darf. Aber die Eisbahn werde ich mir mal vom Rodel aus ansehen. Da bin ich mir sicher.

