Horsens zum Arbeiten (2005)

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Wieder ein interessanter Ort, wo ich ohne Auftrag sicher nicht hingefahren wäre. Die Hafenstadt Horsens ist nicht gerade ein Nest an der dänischen Ostsee-Küste, aber wirklich Nennenswertes kenne ich nicht. Der Ort sieht das anders, er stellt sich als "touristisches Zentrum der Region" dar. Das mag sein, ist ja auch der größte Ort weit und breit.

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Anreise, 11.05.

Ungewöhnlicherweise wurde die Reise mit der Bahn gemacht. Der neue Werkzeug-Bus meines Arbeitgebers hat zwar 3 Sitze im Cockpit, aber für lange Strecken (immerhin über 1000km) ist es für Drei zu eng. Meine zwei Kollegen sind deswegen mit dem Bus gefahren und ich bin mit der Bahn gereist.

Das Ticket habe ich selbst im Augsburger Hauptbahnhof gekauft, zur Sicherheit schon am Samstag nachmittag. Nicht das ich am Reisetag keinen Sitzplatz mehr bekomme. War nicht so teuer wie ich erwartet hatte, nur 138,-EUR inklusive ICE-Zuschlag. Sitzplatzreservierung gibt's aber nicht bei der Bahn für die Euro-City-Züge. Keine Ahnung warum.

Früh morgens gegen 10:30 ging dann der ICE von Augsburg. Beinahe pünktlich, trotz eines Haltes in München. Habe es mir mit einem Buch gemütlich gemacht, das ich extra für die Fahrt gekauft hatte. In Hamburg (Dammtor) musste ich umsteigen, sehr komfortabel am gleichen Bahnsteig. Der Euro-City war fast leer, scheinbar wollen nicht so viele Leute von Prag nach Arhus. Das Buch war dann schon vor Horsens ausgelesen, und das Rückfahrtbuch musste dran glauben. Leider habe ich die Nord-Ostsee-Kanal-Brücke deswegen verpasst. Habe zu spät gesehen, dass wir in großer Höhe über plattem Land fuhren.

In Horsens holten mich dann die Kollegen am Bahnhof ab und wir fuhren zum Hotel Jörgensen. Nette Hütte, etwas alt, aber schön gemacht. Überall Holzbalken des alten Fachwerks offen im Zimmer, teilweise recht niedrig. Aber sonst vom Feinsten, und recht frisch renoviert. Den Rest des Abends sind wir noch im Keller was Trinken gegangen, und eine Kleinigkeit essen. Ich habe einen Toast gegessen, den ich beinahe nicht geschafft habe. Manche hätten das als großen Salat mit Toast-Scheiben verkauft, so riesig war das Teil. Aber gut!

Aufenthalt, 12.05 - 14.05.

Tags waren wir natürlich zum Arbeiten in einer Druckerei. Dort lief soweit alles glatt. Es gab ein bischen viel zu tun, weswegen wir nicht in Ruhe unsere Neuentwicklung testen konnten. Aber wir wurden fertig bis Donnerstag abend mit unserer Arbeit.

Nach dem ersten Arbeitstag waren wir im Supermarkt einkaufen. Was zum Trinken musste sein, und Lakritze. Wenn man schon mal da hoch kommt, muss man auch zuschlagen. Den Abend waren wir dann wieder im Keller. Was ordentliches Essen, und was trinken. Dazu jede Menge Gespräch. Und nachts noch einen ausgiebigen Spaziergang durch den Ort. Den Hafen musste ich natürlich sehen, vor allem den Yacht-Hafen. War aber noch nix Weltbewegendes im Wasser, ist noch zu früh gewesen. Im Industrie-Hafen dagegen waren ein paar sehr interessante Konstruktionen zu sehen. Ein Schiff, bei dem irgendwie völlig sinnlos ein riesiges Rohr auf Deck angebracht war, dass weit auf den Pier ragte und weder am Schiff noch an Land einen erkennbaren Sinn hatte. Und ein paar Boote, auf denen offenbar Aussteiger lebten, die aber leider gerade ausgestiegen waren. Am Ufer reichlich Häuser im "holländischen Stil", mit riesigen Glasflächen und freiem Blick in und durch das Wohnzimmer.

Den dritten Abend gings nochmal einkaufen. Lakritz satt, für die Frau des einen Kollegen. Der hatte nach seinem letzten Aufenthalt Ärger bekommen, weil er keine Lakritz mitbrachte. Nun musste also das ganze Sortiment mit. Und danach ging's wieder in den Keller. Dort trafen wir dann noch eine Menge Arbeiter von der Baustelle, wo wir arbeiteten. Reichlich viel Geschwätz bis in die späte Nacht hinein war deshalb nötig.

Vor dem letzten Arbeitstag fuhren wir noch zum Bahnhof, den Preis des Rückfahrt-Tickets erfragen. Das dauerte eine Weile, weil die Frau am Schalter die Fahrkarten ins Ausland nicht verkaufen wollte. So standen wir eine Weile im Warteraum, bis unsere Wartenummer am Schalter aufgerufen werden sollte. Nachdem dann Leute drankamen, die deutlich nach uns eintrafen, habe ich mich etwas vorgedrängt und erstmal die Präsenz eines Kunden für ein Auslandsticket bekannt gemacht. Offenbar muss da ein anderer Knopf gedrückt werden, damit die Nummern aufgerufen werden. Habe dann auch recht schnell den Preis für das Ticket und die Reservierung erhalten. Das Ticket war deutlich billiger als in Deutschland, dafür die Reservierung unverschämt teuer.

Am 4. und letzten Abend machten wir es uns nochmal im Keller gemütlich. Habe meine Kollegen eingeladen, meinen Abschied von der Firma feiern. Weiss ja nicht, ob ich nochmal eine Gelegenheit dazu habe. Und ein paar von der Baustelle kamen auch noch mal, wegen der Spare-Ribs.

Rückreise, 15.05.

Früh morgens um 8:00Uhr setzten mich die Kollegen am Bahnhof aus und überliessen mich meinem Glück. Als der Fahrkartenschalter endlich aufmachte, zog ich gleich die erste Nummer und begab mich zum Schalter. Man lernt ja dazu. Und prompt wurde nicht die Auslandsnummer aufgerufen sondern eine andere. Aber sie musste mich erstmal wegschicken und konnte mich nicht wieder einfach ignorieren. Auf die Sitzplatz-Reservierung habe ich verzichtet, weil mir die Hinreise noch in Erinnerung war: reichlich Sitzplätze überall frei.

Der EC kam pünktlich, und ich habe nur mit einem Auge mein Buch gelesen. Das andere achtete stets darauf, den Anstieg zur Nord-Ostsee-Kanal-Brücke nicht zu verpassen. Nach der "Eiderbrücke" und dem Bahnhof Rendsburg dachte ich schon, dass der Zug eine andere Strecke nimmt. Die Brücke war schon zu sehen, und zwar nebenan. Und dann wand sich der Zug in einer riesigen Schleife auf die Brücke hoch. Beeindruckende Sache. Und herrliche Sicht auf das gesamte Umland. Als es auf der anderen Seite wieder runterging, war der Spass schnell vorbei. Das Grün sausste wieder am Fenster vorbei.

Der Umstieg in Hamburg war wieder so bequem, nur blieb genug Zeit für einen Mittagsimbiss. Der ICE war dann schnell voll, und da ich keine Reservierung hatte, musste ich ab Hannover stehen. Und wie ich lernte, gehört in Dänemark der ICE-Zuschlag zur Sitzplatz-Reservierung. Daher auch der immense Preis dafür. Hätte ich vorher wissen sollen. So stand ich und zahlte nochmal 25,-EUR nach. So'n Mist. Erst in Nürnberg wurden wieder genug Plätze frei, dass ich mich setzen konnte. Das Buch war schon lange ausgelesen, auch wenn ich nicht viel Ruhe zum Lesen hatte.

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