Elba-Korsika-Sardinien und zurück (2004)
Aus KramerOnTour
Meine erste längere Segelreise führte mich ans Mittelmeer. War nicht so geplant, aber nachdem das Wetter im September 2004 nicht mehr nach Zelten aussah, habe ich kurzfristig umdisponiert. Statt 3 Wochen Spreewald-Paddeln habe ich eine kleine Deutschland-Rundreise gemacht und bin Last-Minute zum Segeln ans Mittelmeer. Der 2-Wochen-Törn startete in der Toscana und endete auch dort.
Bis auf weiteres ist der Artikel eine Zusammenstellung der eMail-Berichte an Sibylle, eine Freundin aus Stuttgart.
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Berlin
Die ersten 10 Stunden Bahnfahrt nach Berlin waren grandios anstrengend. Reibungslos, langweilig.
Die Tage bei Eric waren stark mit Computer-Basteln durchsetzt. Eric hatte einen anderen Rechner von einer Freundin bekommen und wollte nur das Nötigste gemacht haben. Allerdings dauerte schon das sehr lange, denn der Rechner war ein Pentium 133 mit ganzen 96MB Hauptspeicher. Schon das Formatieren der Festplatte dauerte 2 Stunden...ja und so weiter. Keine Treiber für die alte Hardware mehr zu kriegen etc.
Einen Poetry Slam haben wir noch besucht, der erste in meinem Leben. Interessante Sache, das. Vor allem, weil Eric ja auch schreibt und nun vielleicht mal an einem Slam in dieser Lokalität teilnehmen wird. Mal sehen, wie lang ich noch auf ihn einreden muss.
Frankfurt
Ja, dann so 6 Stunden Bahnfahrt nach Frankfurt. Auch nichts Berichtenswertes passiert. Habe meiner Mutter noch ein Wenig im Garten geholfen, schwere Dinge ins "Winterlager" räumen und so. Und eine Menge frisch gepflückter Äpfel und Pflaumen genascht.
Toscana
Dann Freitags endlich Abfahrt in die Toscana. Die Bus-Nachtfahrt war absolut langweilig und nicht sehr erholsam. Am Morgen dann nochmal umsteigen in Pisa und eine weitere mehrstündige Busfahrt bis zum Ziel. Follonica, Etrusca Marina. Retorten-Yachthafen am Süd-Rand eines Vorortes der Stadt. Noch großteils Baustelle, aber mit Wachmann an der Schranke.
Der Skipper unserer Yacht wurde unterwegs aufgesammelt und übernahm dann gleich unser Schiff. Wir durften noch nicht mit rein und vertrieben uns die Zeit im Eiscafe des Vorortes, dem kulturellen Zentrum der Gegend. Am späteren Nachmittag gingen wir dann an Bord. 4 Mann, eine Frau, ein Skipper. Und ein noch nicht anwesender Schweizer. Vollbelegung der "Bavaria 36" für 6+2 Personen. Ich teilte mir die Steuerbord-Achterkabine mit Jörg. Die Bugkabine nahmen Frank und Christiane in Beschlag (kein Paar) und Wolfgang nahm die Backbord-Achterkabine. Der Skipper blieb im Salon.
Nach dem Einrichten der 3qm Kabine und dem Bunkern der Grundausstattung gingen wir noch mal kurz aus dem Hafen auf See zum Segel prüfen. Segel setzen, 5 Minuten rumsegeln, Segel einholen, zurück in den Hafen. Und ab zum gemeinsamen Abendessen in der lokalen Pizzeria. PIZZA! Während des Abendessens traf dann der Schweizer ein, Fridolin. Die erste Nacht war recht ruhig, trotz aller Aufregung ob der neuen Situation schliefen wir alle recht gut.
Elba
Nach dem ausgiebigen Frühstück legten wir ab, Kurs nach Elba. Segel setzen, richtig auf den Wind einstellen und 6 Stunden warten. Dann Segel einholen und Anker werfen. Klingt langweilig, ist es auch. War das Binnen-Segeln schon nicht sooo spannend, so kann ich dies wirklich nur als absolut unspektakulär beschreiben. Ausser dem Steuermann hat man unterwegs nur ganz gelegentlich was zu tun. Und dadurch viel Zeit. Und was macht man da am Besten? Essen natürlich. Und zwar dauernd. Oder Kotzen, auch dauernd. Ich hatte glücklicherweise keine Probleme, aber Frank dafür genug. Und Jörg auch mal kurz.
Sonntag, 19.09.
Auf Elba ankerten wir in einer Bucht an der Südküste. Wir gingen alle eine Runde baden und fieberten dem Erlebnis "Übernachtung in einer Bucht" entgegen. War nicht soooo anders als im Hafen. Nur keine Toilette und Dusche an Land, sondern auf'm Schiff. Und was man so alles hört nachts: Fische, die Algen vom Schiff fressen, klingen als würde jemand mit einer Feile am Rumpf arbeiten; gelegentliches Pochen zeugt von nächtlicher Jagd auf die Algen-vom-Rumpf-Fresser. Und natürlich schnarchende Menschen.
Montag, 20.09., Korsika
Den nächsten Tag sind wir nach Bastia auf Korsika gefahren. Schönes Städtchen mit Hafen direkt in der Altstadt. Die Überfahrt war etwas turbulenter, und die Wellen schaukelten uns ganz ordentlich. Es war ein spannenderes Erlebnis für mich, bisher konnte ich mir das Alles nicht so vorstellen. Vom Schiff aus betrachtet sieht das Festland nicht so weit aus, und die Inseln liegen eigentlich alle nah beinander. Und dann fährt man so 10 Stunden auf etwas zu, dass nicht größer wird. Erst kurz vor der Ankunft beginnt die Perspektive sich zu verändern, Details werden erkennbar. Die ganze Fahrt über lag die Insel von Monte Christo an Backbord, wie zum Greifen nah, aber doch 20 Seemeilen entfernt. Sehr interessante Erfahrung.
Der Abend in Bastia war sehr kurz. Trotz stundenlangem Nichts-Tun waren wir alle völlig erledigt. Ich weiss nicht mehr, ob wir essen gingen oder nicht. Auf jeden Fall schliefen wir sehr früh.
Dienstag, 21.09.
Langstreckenfahrt von Bastia nach Taverna/Campoloro. Laut Hafen-Handbuch sehr langweilige Küste und nur kleiner, künstlicher Hafen. Und so war es auch. 30 sm Sandstrände, grün-braune Hügel dahinter. Und immer 2 sm Abstand halten wegen Untiefen. Wind lies auch nach, so dass wir die letzte Stunde mit Motor in den Hafen fuhren. Es war schon dunkel, als wir ankamen. Und ein Gestank wie von faulen Eiern im ganzen Hafen. Egal, ist ja nur für eine Nacht. Dusche hat 2,50 EUR gekostet, und weit und breit nichts wirklich Sehenswertes. Morgens sind wir losgefahren, bevor der Hafenmeister kam und seine Hafengebühren verlangte. Der Gestank kam von eingeleiteten Abwässern, deren Stoff-Balast im Hafen vor sich hin faulte.
Mittwoch, 22.09.
Die Strecke sollte heute bis Porto Vecchio führen. Schlappe 50 Seemeilen. Der Wind war optimal dafür, 5 Beaufort, in Böen 7. Nichts für schwache Mägen und Segel-Anfänger. Anfangs freuten wir uns darüber, dass endlich "mal was geht", aber nach den ersten Wellen, die über das Schiff gingen, war der Spass vorbei. Triefnass, tiefgekühlt trotz Sonne und weichgeklopft vom Wellengeschüttel trennte sich die Spreu vom Weizen. Wolfgang stand am Steuer und freute sich des Lebens, der Skipper versorgte die Ausfälle, Fridolin schlief in seiner Kabine, Jörg und ich hielten uns krampfhaft an Deck fest, Christiane kämpfte erfolgreich mit ihrem Schüttelfrost und Frank's Magen kapitulierte. So fuhren wir ca. 8 Stunden mit gerefften Segeln Richtung Porto Vecchio.
Abends hatte ich keine Lust mehr. Wenn das so weiter gehen soll, na, Prost Mahlzeit. Wir kamen nicht bis Porto Vecchio. Die Bucht von Pinarello sollte uns Schutz vor Wetter und Wellen bieten. Kurz vor Sonnenuntergang warfen wir Anker und liessen uns die Nacht durchschaukeln. Am Morgen war ich der Meinung, nun kann ich auch in der Achterbahn schlafen.
Donnerstag, 23.09.
Noch immer kräftigen Wind habend (4 Bft.) verliessen wir die Bucht und fuhren den Rest nach Porto Vecchio. In der Bucht vor der Stadt machten wir noch ein paar Manöver. Wenden, Halsen, Fender über Bord. Nicht sehr erfolgreich, eigentlich machten nur Fridolin und ich überhaupt mit. Jörg traute sich nicht und Christiane und Frank wollten überhaupt damit nichts zu tun haben. Wolfgang hielt sich raus und der Skipper erklärte unermüdlich, was alles falsch war. Ich brauchte 3 Versuche, um an die Boje zu kommen. Eine Kopfnuss war dabei, und einmal hätte die Boje ruhig ein Stück zu uns schwimmen können, die dumme Kuh. Egal, beim dritten Versuch war ich nur noch 3 Knoten zu schnell, und die Boje konnte gerettet werden. Hoffentlich muss ich das nicht mal im Ernstfall machen.
Porto Vecchio selbst versteckt sich in einer tief eingeschnittenen Bucht. Die Anfahrt dauerte nach den Manövern immernoch ca. 1 Stunde. Dafür wurden wir mit einer wunderschönen Stadt belohnt. Am Fuß des Berges erstreckt sich ein kleiner, moderner Yacht-Hafen. Oben auf dem Berg liegt eine kleine, verwinkelte, schnucklige, putzige, knuddelige Touristen-Falle mit dem Flair alter italienischer Kleinstädte. Eine alte Bastion als Museum, reihenweise Restaurants mit Blick auf die Bucht, kleine und kleinste Souvenir-Shops und natürlich 3 Kirchen. Wir gingen den Abend da oben Essen, natürlich Pizza! Allerdings ohne Bucht-Blick, dafür aber 10 EUR billiger.
Freitag, 24.09.
An diesem Tag sollte es nach Sardinien gehen. Wind war reichlich vorhanden, und nahm noch weiter zu. Nach 5 Stunden brachen wir den Versuch ab, die Strasse von Bonifacio zu queren. Wellen bis 7m, Wind bis 7, in Böen stärker. Diesmal waren wir vorbereitet, aber aufgrund der Wetterlage hätten wir noch weitere 5 Stunden bis zum Ziel gebraucht, und das wollte keiner riskieren. So ankerten wir in einer Bucht, in der wir noch immer so 2m hohe Wellen hatten. Und zwar die ganze Nacht durch. Zusammen mit dem noch immer pfeifenden Wind eine sehr unruhige Nacht in der Bucht von Santa Manza. Alles bisherige erschien uns an diesem Tag und in dieser Nacht als Vorübung. Keiner hat so richtig geschlafen.
Samstag, 25.09.
Wir nutzten den günstigen Wind, um zuerst durch die Strasse von Bonifacio nach Bonifacio zu fahren. Diese Stadt liegt ähnlich wie Porto Vecchio tief hinten in einer Bucht, allerdings stehen die Häuser auf dem 200m hohen Fels, der die Bucht vom Meer abteilt und können schon von weitem gesehen werden. Man fährt also praktisch um die Stadt auf dem Felsen herum in die Bucht, rechts und links steile Felswände. In der Bucht dann alles Hafen, und jede Menge steile Aufgänge zur Stadt, die natürlich inzwischen auch unten dicht besiedelt ist.
Den Abend gingen wir erst spazieren. In der Stadt wohnte der Ritter von Aragon (ja, so wie er im Herrn der Ringe vorkommt) und hat dort eine Treppe an der äusseren Felswand bauen lassen, die man heute für 2 EUR betreten kann. Sie führt einfach nur steil hinab zum Meer, ohne bis zum Meeresspiegel zu reichen. Leider ist nichts über die Bedeutung zu finden gewesen. Dafür aber eine riesige Kaserne der Fremdenlegion, die bis 1996 noch aktiv genutzt wurde. Heute ist sie nur noch eine heruntergekommene Bruchbude.
In Bonifacio hatten wir kurz mal "schlechtes Wetter". Richtig starker Regen, bin nur kurz zur Toilette am Hafenbüro und war komplett durchnässt. Trotz Segel-Kleidung. Dauerte aber nur eine Stunde oder so.
Sonntag, 26.09.
Von Bonifacio ging's weiter nach Süden, in das Madalena-Archipel im Norden Sardiniens. Wir sind direkt quer rüber bis kurz vor Palau (Stadt), und dann wieder etwas nach Norden Richtung La Madalena (Stadt). Hier sind wir mit unseren Segeln so 2 Stunden zwischen den Autofähren Zick-Zack gefahren, je nach Wind und Lücke. Die fahren tatsächlich im 15-Minuten-Takt hin und her. Das ist echt eng für ein Segelboot mit mir am Steuer.
Wir sind dann zwischen La Madalena (Insel) und San Sebastiano (Insel) über Untiefen und ehemalige Hafenbefestigungen hindurch auf die Ostseite von San Sebatiano. Hier liegt der (ehemals) strategisch bedeutungsvolle Stützpunkt der US-Navy im Mittelmeer. Dort lag ein eindrucksvolles Kriegsschiff am Kai, umgeben von viel nichts. Die Größe der Anlage zeigte aber deutlich, dass dies nicht immer so war/ist.
Unser Weg führte uns weiter rund um die Insel, bis in eine kleine Bucht im Süden, in der ein ehemaliger Steinbruch ist. In den Hafen-Ruinen haben wir festgemacht und uns eine ruhige Nacht gegönnt.
Montag, 27.09.
Zeit für den Rückweg. Unser Skipper will heute Strecke machen. Je nach Wind will er bis zur Hälfte des Rückwegs fahren. Aber erstmal müssen wir noch nach Palau einkaufen und den obligatorischen Fuss auf Sardinien setzen. Gegen Mittag legen wir ab Richtung Norden.
Der Wind ist gut, wir querten die Strasse von Bonifacio im Eiltempo und sind bei Sonnenuntergang schon unweit von Porto Vecchio gewesen. Hier verließ uns leider der Wind, und wir genossen den Mondaufgang in beinahe Windstille. Dieses wahrhaft beeindruckende Schauspiel versuchten natürlich alle Anwesenden zu fotografieren. Das war aber beinahe unmöglich, wegen der Dunkelheit brauchte es sehr lange Belichtungszeiten und Wellen hatten wir reichlich. Dies rief dann Fridolin auf den Plan, der mit seiner High-Tech-Semi-Profi-Digi-Cam an Deck erschien und sogleich fast vom Schiff fiel. In Palau hat er sich noch ein paar Zusatz-Medikamente beschafft, die ihn wie einen Zombie herumtorkeln liessen. Er bekam gleich vom Skipper Kletterverbot. Mal sehen, ob seine Bilder was sind...
Nach einer Weile beschliesst der Skipper, das Herumdümpeln aufzugeben und mit Motor nach Porto Vecchio einzufahren. Ist schon spannend, so im Dunkeln in eine felsige Bucht zu fahren und nur ein paar Lichter als Orientierung zu haben. Vor allem, weil jede Strassenlaterne heller ist als die Orientierungslichter. Und ob das grüne Blinken zur Boje oder Apotheken-Leuchtreklame gehört, sieht man auch erst, wenn die Boje kurz vor'm Bug ist. Aber wir sind sicher angekommen.
Dienstag, 28.09.
Und schliefen bis kurz vor Mittag. Die heutige Strecke sollte weiter sein als die gestrige. Also raus aus der Bucht und auf Kurs. Aber der Wind verlies uns am frühen Nachmittag. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir Solenzara unter Motor. Viel zu Wenig Strecke, und wieder ein Retorten-Hafen im Nichts. Das bedeutete dann für den nächsten Tag eine Mammut-Strecke. In Vorfreude darauf schliefen wir alle fest.
Mittwoch, 29.09.
Bei Sonnenaufgang brachen wir auf für den letzten Versuch, Strecke zu fahren. Der Wind war nicht allzu stark, aber genau unsere Richtung. Wir beschlossen unterwegs, direkt rüber nach Elba zu fahren. Also Kurs auf, na, so in die Mitte zwischen den beiden Inseln da voraus. Und da fuhren wir bis zum Einbruch der Dunkelheit auch hin. Monte Christo steuerbord voraus ging die Sonne unter. Den Namen der Backbord-Insel habe ich vergessen. So 2 Stunden nach Sonnenuntergang passierten wir Monte Christo, so 10 Seemeilen steuerbord querab. Nix zu sehen davon, weil Mond hinter Wolken steckte.
Ich ging unter Deck schlafen, weil wir noch etwa 8 Stunden Fahrt vor uns hatten und so 2 Wachen bildeten. Stur geradeausfahren ist auch nicht so spannend. Geschlafen habe ich aber fast nicht, in einer Achterbahn geht das nicht. Als dann noch der Diesel anging bin ich wieder an Deck. Kurz nach 23:00 verlies uns der Wind endgültig und wir motorten bis in einen Fischerhafen auf Elba. Um 2 Uhr morgens erreichten wir den Hafen. Festmachen mussten wir am Fähranleger, mit Ankerwerfen mitten im Hafen. Dabei gab es natürlich Komplikationen, unser Anker hielt nicht und verfing sich in anderen Ankern. So um 3 Uhr waren wir dann endlich fest vertäut und konnten zur Ruhe gehen. Zumindest, bis die Fähre kommt.
Donnerstag, 30.09.
Ich schlief nicht mehr viel und verbrachte den Vormittag damit, den anderen Seglern beim "Entknoten" ihrer Ankerleinen zuzuschauen. Die ersten brauchten 1 1/2 Stunden, 2 Zusatzanker, ein Dutzend Leinen und einen Taucher. Vermutlich waren sie zuerst in den Hafen gefahren und so lag ihre Ankerkette zuunterst. Das sah lustig aus, wie sie da so auf und ab fuhren mit ihrer Bavaria 51, unter Aufbietung aller technischer Spielereien (Bugstrahl-Ruder, 2. Ankerwinde usw.) sich freizumachen versuchend.
Die nächsten hatten es einfacher. Sie zogen einfach den Anker samt anderer Ketten hoch und warfen den Ballast wieder von Bord. Dauerte aber auch 30 Minuten. Nun sollte eigentlich die Fähre kommen. Aber die kam nicht. Wie uns später die Leute sagten, kommt da seit Jahren keine Fähre mehr. Trotzdem wurde es Zeit zum Aufbrechen, der letzte Segeltag sollte schliesslich nicht im Hafen vergehen.
Wir beschlossen, zum Abschied Elba komplett zu umrunden und fuhren aus der Bucht nach Westen raus. Im Uhrzeigersinn ging es dann um Elba herum bis in den Norden zum Hafen von Portoferraio (oder so ähnlich). Diese Strecke fahren die Ein-Wochen-Turn-Fahrer an 3 Tagen. Noch lange vor Sonnenuntergang kamen wir in den Hafen. Der Hafen liegt auch tief in einer Bucht, aber man fährt einen riesigen Bogen um ein Felsmassiv, auf dem der Ort liegt. Zum Schluss liegt man keine 200m vom Meer entfernt, nur getrennt durch 200m Fels.
Wir verabschiedeten hier Fridolin, er musste früher zurück. Sein Großvater war gestorben, und die Beerdigung wollte er mitmachen. Mit dem Beiboot brachte ihn Wolfgang zur Fähre, und wir machten uns stadtfein. Abends gingen wir essen und danach spazieren. Auf dem Fels lagen zwei Festungen und das "Gefängnis" von Napoleon. Beide Festungen waren abgesperrt, und das napoleonische Gefängnis ist ein Museum, natürlich auch geschlossen. Aber in so einem 12-Zimmer-Gefängnis mit Meeresblick würde ich auch den Rest meiner Tage verbringen wollen.
Freitag, 01.10.
Recht früh fuhren wir los, die letzte Strecke zurück in den Hafen von Follonica. Bei gutem Wind umrundenten wir zügig die Nordspitze Elbas und kreuzten in 2 langen Schlägen direkt zu unserem Hafen. Dabei haben wir 2 zur gleichen Zeit auf Elba gestartete Segelyachten erst überholt und, nachdem sie uns beim Mittagessen wieder eingeholt hatten ("Wenden können wir nach dem Essen immer noch..."), abgehängt. Während wir in den Hafen einliefen, holten sie gerade die Segel ein, hähä.
Am frühen Nachmittag warteten wir dann auf den Tankwart, bevor wir den endgültigen Liegeplatz ansteuerten. Jörg ging gleich von Bord, sein Flieger ging noch an diesem Abend zurück und der Zug zum Flughafen ging um 16:00. Wir anderen 5 machten dann ein Wenig klar Schiff, bevor wir ein "Alles was weg muss"-Mahl zu uns nahmen.
Die letzte Nacht hatten wir alle genug Platz, so hätte es die ganze Fahrt sein müssen. Und ungewöhnlich ruhig lag das Schiff im Hafen, eine gute Nacht.
Samstag, 02.10.
Frühstück, Aufräumen und runter vom Schiff. Nach der Übergabe fuhren wir mit dem Shuttle-Bus nach Montaione, einem verträumten Nest in der Toscana. Hier verbrachten wir den Tag auf die Bus-Abfahrt um 18:00 wartend. Meinen Pulli für das kalte Deutschland habe ich dort vergessen.
Sonntag, 03.10.
Die Rückfahrt war so unspektakulär, 40 Personen in einem Schlaf-Bus nach Deutschland. Von Frankfurt fuhr ich dann abends nach Hause. Kurz vor Mitternacht packte ich die letzten Sachen aus meinen Taschen und schaffte es sogar, den Wecker zur Arbeit noch zu stellen.

