Düsseldorf zur boot (2006)

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Zur boot nach Düsseldorf wollte ich als Wassersport-Jünger schon immer mal. Dieses Jahr kam noch das Vorhaben dazu, selbst Kajak-Touren zu organisieren. Also bin ich dann für einen Tag hingefahren.

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Dienstag, 24.01.

Ich entschied mich wegen der geringen Preisdifferenz von 20,- Euro für die Fahrt mit einem IC. Das sparte laut Plan 2 Stunden Fahrtzeit und jede Menge Umsteigerei. Mit leichtem Gepäck begab ich mich zum Bahnhof, wo schon die Ankündigung prangte, dass der Zug 10 Minuten später als geplant käme. 10 Minuten bei 2 Haltestellen ist schon schwer zu schaffen, alle Achtung!

Die Fahrt bis Stuttgart verlief reibungslos, und der Anschlusszug konnte erreicht werden. Er fuhr leider ebenfalls verspätet los und musste wegen eines Oberleitungsschadens auf die andere Rheinseite wechseln. Insgesamt kamen so ca. 45 Minuten mehr zusammen, als es sein sollten. Dafür konnte das Rheintal in vollen Zügen genossen werden, wunderschöne Landschaft. Fast schade, wenn man das Dank Fahrplaneinhaltung verpasst.

Die Nächte verbrachte ich im Backpackers Hostel, Düsseldorf. Sehr empfehlenswert, und äusserst lustige Erfahrung mit 5 wildfremden Leuten im Zimmer zu nächtigen. Allgemeine Sprache war Englisch, sogar der Portier sprach besser Englisch als Deutsch. Für weitere Kurztrips in Städte merke ich mir jedenfalls das Hostel-Netzwerk GoMio, dass fast überall Hostels nennt.

Auf dem Weg zum Hostel machte ich einen unfreiwilligen Rundgang durch das Düsseldorfer Bahnhofsviertel. Trotz Wegbeschreibung im Notizbuch führte mich der Weg nicht zum Ziel. Dafür durfte die Spieler-Gemeinschaft des örtlichen Gamers-Workshop unter Beweis stellen, dass sie noch Ortkenntnis skillen müssen. Selbst der kritische Treffer, ein Bewohner der näheren Umgebung, konnte nicht genau den Weg weisen. Dank eines Zufalls landete ich wieder auf dem Weg aus dem Notizbuch, so dass ich das Hostel doch noch fand. Abend gab's noch eine Pizza in der vom Hostel empfohlenen Pizzeria, die mir auf dem Weg zum Hostel schon ins Auge gefallen war. Wahrlich genial das winzige Lokal, und superlecker die Speisen.

Nachher ging ich noch zum Rhein, einem Rat in einem Lehrbuch folgen wollend: "Stelle Dich auf die Brücke vor dem Düsseldorfer Rheinhafen und beobachte die Schiffe. Alle Lichter der Binnenschiffahrtsordnung sind dort in kurzer Zeit zu sehen." Die Brücke war kein Problem, nur entschloss ich mich, nicht bei eisigem Wind reglos auf einer Brücke zu stehen. Rheinabwärts führte mich der Weg zur Altstadt. Nach allerlei Architektonischem mit modernem Kunstkrempel wollte ich mich der "längsten Theke der Welt" zuwenden. Aber die fand ich nicht. Dafür aber das Papidoux. Schon draussen dröhnte der Death-Metal, und drin war's erwartungsgemäss: Leer und laut. War ja schliesslich Dienstag.

Mittwoch, 25.01.

Nach der Nacht im oberen Stock eines Stockbettes erwachte ich gut erholt und reichlich früh. Das einfache Frühstück passte gut, wäre aber auf Dauer einfach zu wenig Abwechslung. Nach dem Spaziergang zum Hauptbahnhof und der U-Bahn-Fahrt zum Messegelände konnte um 10:00 Uhr pünktlich das Messegelände betreten werden.

Ich nahm mir zuerst die Kanu-Ecke vor, die ganz hinten ganz weit weg war. Mein Terminplaner sah für 12Uhr die erste Präsentation vor, und so nahm ich mir Zeit für die Kanus. 3 Händler, Zölzer, Klepper und der DKV waren alles. Sehr dürftig. Dafür eine neue Technologie, die mich begeisterte. Ein Tretantrieb, der zwei Pinguin-Flügel für den Vortrieb bewegt. Wenn nur kein Loch im Rumpf nötig wäre, um das Ding zu verwenden. Wegen des Lochs ist es leider nur für Sit-On-Tops zu verwenden. Schade.

Auf dem Weg zur 12:00Uhr-Vorführung "Segeltrimm bei Schwerwetter" schaute ich mir alle Klein- und Kleinst-Segler ausgiebig an. Was da so alles gebaut wird, ist echt erstaunlich. Aber richtig wohnlich sind die ganzen Plastik-Schüsseln nicht. Erst ab etwa 24 Fuß Länge (ca. 7,5m) wird es platzmässig interessant. Da wollen die meisten aber schon richtig viel Geld für haben. Wird also wohl doch ein gebrauchtes Holzboot.

Nach der gut gemachten Trimm-Präsentation schaute ich mir die größeren Segler an, die allesamt weit oberhalb der vertretbaren Preislinie liegen. Aber schön sind die Meisten. Bis 65 Fuss war alles da, was man so auf dem Wasser treffen könnte. Leider glänzen sie durch wenig pfiffige Innenarchitektur und geizen mit technischen Innovationen. Dafür war die Präsentation zur Yacht-Kasko sehr unterhaltsam gemacht, und der Versicherungsvertreter war gar nicht langweilig. Sehr informativ.

Auf dem Weg zur nächsten Präsentation kam ich durch die Fun-Sport-Ecke: Kiten, Wind-Surfen und Wasserski bzw. Wake-Boarding. Alles mit der allzeit präsenten Musik-Untermalung der hippen Fun-Sportler. Hier bekam der Begriff Verkaufsmesse echte Bedeutung, weil allerhand Gebraucht-Material und Neuware der letzten Jahre angeboten wurde. Nur das BloKart oder andere Strandsegler waren nicht da. Da die Präsentation "Kanu mit Kids" als Robinson-Club-Marketing-Veranstaltung versumpfte, begab ich mich durch den Charter- und Pauschalreise-Dschungel Richtung Ausgang. Hier war trotz allem "Industrie-Tourismus" auch einiges Interessante geboten. Leider fehlten bei den Länder-Ständen die Osteuropäer, und bei den Verleihern die Kanu-Verleiher.

Das Ende der Messe um 18 Uhr überraschte mich dann auf dem Weg zu einem Holz-Boot-Vercharterer, der gerne auch Fremdschiffe zum Verchartern annimmt. Nach einem kurzen Gespräch machte ich mich endlich auf den Rückweg. Total erschöpft liess ich mir in der U-Bahn nochmal alles durch den Kopf gehen.

Das Abendprogramm wurde vom Besuch des Mongos, einer Restaurant-Empfehlung aus WikiTravel, zu Nudeln in der Pizzeria zusammengestrichen. Im Gemeinschaftsraum des Hostels sortierte ich noch den Prospekt-Haufen von der Messe.

Donnerstag, 26.01.

Auch für den Rückweg erlag ich der Vorstellung, dass der IC mit nur 20,- Euro mehr eine gute Wahl sei. Dank Reservierung sollte wenigstens ein Sitzplatz gesichert sein. So liess ich den Tag langsam angehen, und verliess das Hostel gegen 11 Uhr.

Das K21 (Kunst des 21. Jahrhunderts) sollte ich mir noch ansehen, wenn ich etwa eine Stunde Zeit habe, meinte der Hostel-Portier. Allerdings fand ich es nicht. War mir auch egal, so schlenderte ich gemütlich zum Bahnhof und stöberte ein Wenig im dortigen Buchladen. Der Zug kam ohne Verspätung in Düsseldorf an und fuhr tatsächlich planmässig bis Stuttgart. Auch von der anderen Seite war das Rheintal ein Genuss, wenn auch reichlich Tunnel und Streckenabschnitte im Hinterland weniger davon sehen liessen.

In Stuttgart wurde der Anschlusszug schon mit 75 Minuten Verspätung erwartet. Daher durften wir kurzerhand im ICE mitfahren, der etwas später abfuhr. Interessanterweise ist der ICE nur 10 Minuten schneller als der EC oder IC, und das vermutlich nur wegen der fehlenden Zwischenhalte. Die Sitzplatzreservierung war natürlich ungültig durch den Zugwechsel, also im nun völlig überfüllten Gang oder im verrauchten Bistro sitzen. Wozu man mehr zahlt, wenn dafür nichts planbar ist, verstehe ich nicht. Ich werde jedenfalls das Geld nicht mehr ausgeben für IC oder ICE, wenn es mit den Regionalzügen ebenfalls vernünftig erreichbar ist.

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