15. 1. Mai (2006)

Aus KramerOnTour

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Die traditionelle 1. Mai-Feier meiner Freunde. Dieses Jahr zum 15. Mal. Im Lohrbacher Forst bei Mosbach, einem der Zeltplätze mit Schlecht-Wetter-Garantie. Egal, Spass haben wir trotzdem immer gehabt.

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Mittwoch, 26.04.

Am Morgen schon in die Bahn, eine Fahrradkarte für den IC nach Heidelberg hatte ich schon gekauft. Das McDonalds-Ticket machte mir den Umstand unnötig, mit dem Bayern-Ticket nach Würzburg und von dort mit dem VRN-Ticket für 5,40EUR bis nach Neckargerach zu fahren. Deutlich schneller und komfortabler, der IC. Die S-Bahn nach Neckargerach war recht voll, Mittagszeit ist Schüler-Zeit.

In Neckargerach fragte ich erstmal nach dem Weg, denn "die Strasse hinter dem Bahnhof" aus dem Atlas war nicht zu sehen. Über die Brücke am Bahnhof, durch den Spielplatz und dann die Hauptstrasse den Berg rauf. Der mitleidige Blick der alten Dame hätte mich warnen sollen.

Die Fussgänger-Brücke rauf war weniger steil als die Hauptstrasse. 12,5% auf 3km. Das war eine anstrengende 45-Minuten-Schieberei bis da hoch. Und oben nicht etwa eben, nein, nur nicht ganz so steil. Etwa eine Stunde brauchte ich für die ersten 5km bis Reichenbuch. Von da ging's ein Wenig auf und ab bis zum Zeltplatz. Um 14:30 war ich da. Als Erster.

Um 15:00 stand mein Zelt auf dem besten Platz, den man in der schlammigen, sumpfigen Wiese finden konnte. Das Lagerfeuer war vorbereitet. Nur wie immer seit ich nicht mehr rauche: Kein Feuerzeug. Keine Streichhölzer. Wenigstens schien die Sonne, und der Wind hielt sich zurück. So fror ich nicht beim Warten auf die ersten Mitfeiernden.

Bis zum Abend war ein gutes Dutzend Leute angereist, und ein Feuer brannte. Der Grill war angeheizt, Getränke standen bereit. Die gute Laune sorgte für den Rest. Bis zum frühen Morgen am Lagerfeuer feiern, in netter Gesellschaft. Schön.

Donnerstag, 27.04.

Es war doch recht kühl gewesen, doch die Morgensonne vertrieb bald alles Frösteln. Im Laufe des Tages kamen weitere Chaoten zum Mitfeiern. Vor allem der Getränke-Wagen wurde sehnlichst erwartet. Bis zum Abend wurde ausgiebig gefeiert, Karten gespielt, gegrillt und ordentlich Feuer eingeheizt. Und so ging's weiter, bis in die Nacht.

Ich begab mich noch ins Dorf, um meine leere Geldbörse zu füllen und eine Torte für das 15. Jubiläum zu beschaffen. Man glaubt es kaum, alle Welt schliesst Fillialen und stellt Automaten auf. Nur nicht in Lohrbach. Hier gibt's 2 Bank-Fillialen, mit echten Menschen und ohne Automaten. Wenigstens der Bäcker konnte eine Torte für den Samstag zusagen.

Da der Durst etwas größer als erwartet war, mussten wir nochmal eine Ladung Getränke holen fahren. Da wir den Inhalt des Getränkeladens in Lohrbach für Samstag reserviert hatten, war der nächste Getränkeladen in Mosbach. Dort kauften wir ebenfalls den gesamten Vorrat der "Tannenzäpfle"-Biersorte auf. Soll aber besonders gut sein.

Freitag, 28.04.

Noch ein wettermässig durchwachsener Tag, mit Feuer-Grill-Heizung und reichlich Kartenspiel und Feierei. Neuerlich mussten Getränke beschafft werden, die Tannenzäpfle waren offenbar sehr gut. Noch mehr Leute zum Feiern kamen an, die volle Feierstärke wurde erreicht. Das Lagerfeuer wuchs unaufhaltsam in die Höhe.

Samstag, 29.04.

Am Morgen war noch genug Glut in der Feuerstelle, dass das Frühstück darauf gegrillt werden konnte. Danach heizten wir wieder ein, damit es auch für's Mittagsgrillen reichte. Kurz vor 12 sprintete ich die Torte vom Bäcker holen, ein anderer Trupp holte die vorbestellten Getränke aus Lohrbach ab. Die Torte war superklasse. Babbsüss und brutal buttrig. So wie's gewollt war. Am Abend war noch ein Viertel davon da, obwohl 40 Leute auf dem Platz herumliefen. Das ist fast wie bei Jesus mit dem Brot :)

Das schlechte Wetter kam auch an diesem Tag zu Besuch, blieb aber glücklicher Weise nicht länger: Graupel-Schauer, den Tag über. Richtig echtes gefrorenes Wasser, dass vom Himmel fiel. Dazu stürmische Böen, wie es sich gehört. Aber das hält uns nicht auf, gefeiert wurde wie immer bis die Ersten aufstanden.

Sonntag, 30.04.

Der Gluthaufen war ohne Nachfeuern noch am Abend heiss. Das war kaum noch zu toppen. Dachte ich. Aber was da diese Nacht in die Feuerstelle gepackt wurde, war echt unglaublich. "Als druff" war die Devise. Pünktlich um Mitternacht wurden dann die alljährlich fälligen Arbeiterkampflieder gesungen, in Gedenken an die vergangenen Linken. Danach wurde wie üblich weitergefeiert bis zum Morgengrauen. Und noch ein Wenig länger.

Montag, 01.05.

Die ersten packten schon gleich nach dem Aufstehen ihre Sachen zusammen. Da war noch nicht einmal der Grill für das Abgrillen eingeheizt. In gemütlicher, kleiner werdender Runde wurden sämtliche Nahrungsreste verwertet, vieles allerdings rein thermisch. Die im Voraus beschlossene Ausklanggruppe, die bis zum nächsten Morgen bleiben wollte, fand sich nicht zusammen. Mit einsetzendem leichten Regen flüchtete der Rest der Truppe nach Hause.

Ich hatte erst für Dienstag die Rückfahrt gebucht, so blieb ich allein auf dem Platz. Nach einem gemütlichen Nachmittag mit Regenschauern und Platzaufräumen bereitete ich mir die Nacht vor. Das Feuer durfte nicht ausgehen, weil sonst kein Frühstück möglich gewesen wäre. Ich hatte noch immer kein Feuerzeug...

Dienstag, 02.05.

Früh morgens kamen die Forstleute und holten den Müll ab. Das war das Signal zum Aufstehen. Das Feuer war zum Glück noch an, so heizte ich mir einen Kaffee an und frühstückte erstmal in Ruhe. Dann kam das persönliche Wiederherstellen, damit ich im Zug nicht den ganzen Waggon für mich allein hätte. Meine Güte, die schieben echt Eiswürfel in die Leitung da im Odenwald. Bis zum Mittag waren auch die restlichen Kartoffeln gut durch, und das Zelt vollständig trocken.

Reichlich vor der Zeit brach ich auf, um in aller Ruhe nach Neckargerach radeln zu können. Ich fuhr gerade in den Bahnhof ein, da kam eine S-Bahn: Ich war genau eine Stunde zu früh. Die Stunde verbrachte ich in Heidelberg vorm Bahnhof, schön in der Sonne sitzend. Mit dem IC ging's dann in einem Rutsch nach Augsburg, wo ich mich erstmal in die Wanne legte. Was für ein schönes Leben...

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